Sherlocks Abenteuer als Live-Hörspiel
Analoges Vergnügen in digitalen Zeiten

Münster -

Es hat etwas von der Frühzeit des Radios, als Familien sich im Wohnzimmer vor dem Empfänger versammelten, um gebannt die Übertragung eines live in einem fernen Studio gespielten Stücks zu verfolgen. Nur, dass jetzt rund 150 Personen, zumal in den Verkaufsräumen eines Second-Hand-Marktes, gemeinsam den „Abenteuern des Sherlock Holmes“ lauschen. Ein schöner Irrwitz.

Sonntag, 24.03.2019, 17:56 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 19:54 Uhr
Die Akteure des Live-Hörspiels: Philip Ritter, Sarah Giese, Alexander Rolfes, Christoph Tiemann und Urs von Wulfen (v. l.)
Die Akteure des Live-Hörspiels: Philip Ritter, Sarah Giese, Alexander Rolfes, Christoph Tiemann und Urs von Wulfen (v. l.) Foto: wam

„Ein äußerst analoges Vergnügen in digitalen Zeiten“ kündigt Christoph Tiemann an, als er mit dem Theater ex libris die nur durch Leselämpchen erhellte Bühne erklimmt. Dem Publikum, sitzend auf dem vielgestaltigen Inventar des „Möbel-Trödels“ in der Friedrich-Ebert-Straße, erklärt er sein Bild des Protagonisten: „Vergessen Sie mal für einen Moment den Deer Stalker, diese alberne Mütze. Holmes ist ein Londoner Gentleman. In der Stadt trägt er natürlich Zylinder.“

Alles andere ist dem Zuhörer überlassen: „Die Arbeit liegt bei Ihnen. In Ihrem Kopf.“ Eine – selbst für die Dauer von zweieinhalb Stunden – leichte und glücklich machende Arbeit. Denn brillante Sprecher und subtile Klänge füllen lebhaft den Raum zwischen den Ohren.

Zu der Musik von Philip Ritter ertönt Alexander Rolfes‘ sonore Stimme. Als Dr. Watson, damit auch Erzähler in Arthur Conan Doyles Detektivgeschichten, bringt er die bisweilen hilflose, formelle Steifheit seines gutmütigen Charakters exzeptionell auf den Punkt, die sich so großartig am dominanten, bis zu spöttischer Überheblichkeit selbstbewussten Sherlock (Tiemann) reibt. In der geschickten Montage aus dem ersten Holmes-Roman „Eine Studie in Scharlachrot“ und den Kurzgeschichten „Das gefleckte Band“ und „Der Mann mit der entstellten Lippe“ erwachen nicht nur der ungläubige, immer wieder staunende Militärarzt und der geniale Meister der Deduktion zu einem Leben als komplexe, reale Gestalten. Urs von Wulfen zaubert eine ganze Staffage an Nebenfiguren aus dem viktorianischen Hut. Sarah Giese spricht unter anderem die kompletten Baker Street Boys oder als Holmes’ Klientin einen rasanten Dialog mit der eigenen Schwester, der in gruseligem Hall versinkt.

In diesem packenden Kopfkino ist jedes Detail ausgefeilt, selbst noch die Bildprojektionen von Schauplätzen der Handlung, inklusive einem Blick aus der (angeblichen) Baker Street 221 B.

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