Letzte Matthäuspassion mit Kantor Klaus Vetter in der Apostelkirche
Leidensgeschichte tief ausgelotet

Münster -

Im Chorraum der Apostelkirche hängt ein riesiges Kreuz des Bildhauers Heinrich Gerhard Bücker. Mit der Darstellung des gekreuzigten Jesus, der das Leid überwunden hat, dessen Gesicht Ruhe, ja vielleicht sogar Gelassenheit ausstrahlt. Ganz ähnlich ist es mit dem in Klang gesetzten Jesus, wie Johann Sebastian Bach ihn in seiner Matthäus-Passion zeichnet: Trotz seiner existenziellen Erfahrung von Verrat, Angst und Folter ist Jesus sich am Ende gewiss, dass sein Tod nicht sinnlos ist, mögen die Feinde noch so spotten.

Sonntag, 31.03.2019, 18:12 Uhr
Zum sechsten und letzen Mal führte Kantor Klaus Vetter mit „seiner“ Kantorei in der Apostelkirche die Matthäuspassion auf. Der Kinderchor des Paulinums kam ergänzend hinzu. Als instrumentaler Partner wirkte das Barockorchester „Le Chardon“ mit.
Zum sechsten und letzen Mal führte Kantor Klaus Vetter mit „seiner“ Kantorei in der Apostelkirche die Matthäuspassion auf. Der Kinderchor des Paulinums kam ergänzend hinzu. Als instrumentaler Partner wirkte das Barockorchester „Le Chardon“ mit. Foto: Christoph Schulte im Walde

Und das tun diese ja auch durchaus sehr dramatisch – Augenblicke, in denen die Kantorei der Apostelkirche am Wochenende mit markerschütternden Salven auftrumpfte: „Lass ihn kreuzigen!“ oder „Barrabam!“ Gleichwohl entschied sich Klaus Vetter für eine Lesart der Bach-Passion, die nicht das Opernhafte der Szenerie betonte, das äußerlich Dramatische. Vielmehr lag ihm daran, den tiefen Sinn der Leidensgeschichte für jeden einzelnen Menschen von heute spürbar zu machen. Ganz prominent durch die Choräle, die mal als unzweideutiger Appell daherkamen („Ich bin’s, ich sollte büßen“), dann wieder ganz zart und vertrauensvoll („Befiehl du deine Wege … des, der den Himmel lenkt“). Wie ein geflüstertes Geheimnis dann die Einsicht „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ – ein kurzer, aber unglaublich elektrisierender Moment vor dem Ende der Passion. Es war das sechste Mal, das Klaus Vetter mit „seiner“ Kantorei Bachs Matthäus-Passion erarbeitet und aufgeführt hat. Von Routine aber keine Spur. Wie auch! Jede Aufführung bedarf ihrer je eigenen Dramaturgie. Vetters Konzept, die Tiefe des dichterischen Wortes in Verbindung mit der Musik auszuloten, folgten auch die fünf Vokalsolisten, wobei Nils Giebelhausen als Evangelist naturgemäß am meisten gefordert war. Er hat sich längst als idealer Tenor für diese Rolle etabliert und war es auch diesmal. Richard Logiewa, erst tags zuvor für den erkrankten Harald Martini eingesprungen, realisierte mit seinen Jesus-Worten (darunter ganz wunderbar sein „Trinket alle daraus“) die eingangs beschriebene Ruhe und Gelassenheit. Seinem Bass-Kollegen Markus Flaig oblagen die von ihm schön und plastisch gestalteten Arien. Musikalisch und auch theologisch im Mittelpunkt standen Johanna Rademachers balsamisch gesungene Reflexionen „Buß und Reu“ und selbstverständlich „Erbarme dich, mein Gott“ – zweifellos eines jener Stücke Musik, die man auf die einsame Insel mitzunehmen hat. Genau so wie die Sopran-Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“. Man kann diese paar Minuten, die nicht mehr als aus einer Handvoll Tönen bestehen, tausendmal hören – sie ergreifen einen immer wieder. So auch in der Version von Fanie Antonelou, deren makellos geführter Sopran sich auch bestens mischte im Duett mit Johanna Rademacher („So ist mein Jesus nun gefangen“).

Nicht unwichtig: der Kinderchor des Gymnasiums Paulinum, von Margarete Sandhäger vorbildlich einstudiert und die Kantorei prächtig ergänzend.

Auf das Barockorchester „Le Chardon“ hat Klaus Vetter in der Vergangenheit schon öfter als instrumentalen Partner gesetzt. Prinzipiell eine gute Wahl, weil es dem Konzept einer „historisch informierten“ Aufführungspraxis folgt, die hier intendiert war. Dass es an einigen wenigen Stellen Ungenauigkeiten in der Intonation, auch der exakten Tempoauffassung gab, fällt nicht schwer ins Gewicht.

Am Ende dann Stille während des Läutens der Sterbeglocke – dann überschwänglicher Applaus. Der galt ganz besonders Klaus Vetter und dem, was er in den 32 Jahren seiner Amtszeit „gestemmt“ hat.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6509909?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Pläne seit 15 Jahren in der Schublade
Hunderte Räder werden rund um das Parkhaus Bremer Platz abgestellt. Ab Ende August soll eine Radstation im Innern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Diesen Plan gab es auch schon vor 15 Jahren.
Nachrichten-Ticker