„Battleground“ im Pumpenhaus
Ein Kampf für die Selbstbestimmung

Münster -

In schwarzer Lederhose und Kapuzenpulli betritt sie die Bühne. Mit einsetzender Musik beginnt ihre Hand zu flattern. Fahrig und unkontrolliert wirkt das. Doch das ändert sich, als sich die Bewegung auf die Arme und schließlich auf den ganzen Körper überträgt. Unwillkürlich denkt man an einen Lagerarbeiter, der tausend kleine Dinge in tausend Fächer eines Regals einsortiert – hochkonzentriert und mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Fast hat man den Eindruck, als würde sie die einzelnen Töne der Musik sortieren und zu immer wieder neuen, unberechenbaren Kompositionen anordnen.

Sonntag, 31.03.2019, 18:12 Uhr
Louise Lecavalier legt ein hohes Tanz-Tempo vor.
Louise Lecavalier legt ein hohes Tanz-Tempo vor. Foto: Katja Illner

Louise Lecavalier startet ihre Choreografie „Battle­ground“ mit einer beachtlichen Dynamik. Unermüdlich sieht man die kanadische Tänzerin im Pumpenhaus über die Bühne flattern. Und trotz des hohen Tempos strahlt sie dabei die Eleganz eines Schmetterlings aus. Mit geschlossenen Knien trippelt sie auf den Fußspitzen von einer Seite zur anderen, rennt gegen unsichtbare Gegner an und fällt wieder zurück, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Aber sie gibt nicht auf. Selbst wenn ihr Körper gefangen scheint – ihre Arme und ihre Beine sind immer in Bewegung, streben nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Es ist ein Kampf, der hier ausgetragen wird. Angelehnt an Italo Calvinis Roman „Der Ritter, den es nicht gab“, geht es um die Bewusstmachung der eigenen Existenz. Das geschieht in einem Tanz von schier unglaublicher Energie. Zuerst als Solo, dann zusammen mit Robert Abubo. Wie ein Gegenüber, das nötig ist, damit sich ein Subjekt als Ich begreifen kann, taucht er plötzlich aus dem Nichts auf. Erst wird er nicht beachtet, dann neugierig beäugt und schließlich ins Spiel einbezogen. Es scheint eine fruchtbare Begegnung zu sein. Mit zunehmender Interaktion gewinnt der rastlose Tanz immer mehr an Harmonie, bis am Ende beide einträchtig am Bühnenrand sitzen.

Als Lecavalier vor fünf Jahren mit „So Blue“ im Pumpenhaus gastierte, lieferte sie eine großartige Vorstellung ab. Wer das Stück gesehen hatte, ging am Wochenende mit entsprechend hohen Erwartungen ins Theater. Und er wurde nicht enttäuscht. Mit „Battleground“ hat sich die mittlerweile 60-Jährige sogar noch übertroffen. Dynamik, Ästhetik, Ausdruck – hier stimmt einfach alles. Tosender Applaus für eine Frau, die als Tänzerin ein Phänomen ist.

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