Ausstellung beim Förderverein Aktuelle Kunst
Raum hinter Schrankfronten

Münster -

Dafür, dass vier Künstler beteiligt sind, ist wenig zu sehen: fünf doppelpaarige Schrankfronten an drei Wänden, ein Verstärker, ein Bildschirm, ein paar Buntstifte, an die Wand gelehnte Fotografien, eine Grünpflanze – und eine hölzerne Rinne, die mit Wachs aufgefüllt ist. Warum der Betrachter am ehesten mit Letzterer hadert? Weil sich zwischen den übrigen Stücken eine Verbindung auftut: Sie weisen in der Ausstellung „Torx“ über den Raum hinaus, der hier durch alltägliche Objekte verändert wurde.

Mittwoch, 03.04.2019, 18:10 Uhr
Recht karg, aber doch voller Deutungsansätze: der Ausstellungsraum beim Förderverein Aktuelle Kunst, den vier Künstler aus Bremen mit ihren Arbeiten belebt und verändert haben.
Recht karg, aber doch voller Deutungsansätze: der Ausstellungsraum beim Förderverein Aktuelle Kunst, den vier Künstler aus Bremen mit ihren Arbeiten belebt und verändert haben. Foto: pn

Besonders die Schrankfronten kurbeln die Fantasie an. Sie lassen Raum hinter den teils verspiegelten Türen vermuten. Auch die Grünpflanze assoziiert Weite und Natur hinter der Front, die an Fensterläden erinnert.

Für Maximilian Wigger , Ausstellungskurator und Studierender an der Kunstakademie, sind die gläsernen Schrankfronten „der Inbegriff des kleinbürgerlichen Narzissten“. Die Spiegel duplizieren den Raum und die Videoarbeit von Sebastian Moske , die Sinnhaftes wie „Komfort klingt nach Erschöpfung“ auf den Bildschirm schickt. Ob sich die Zeile „Ich schreibe nie wieder“ auf die Buntstifte bezieht, die er auf dem grauen Boden platziert hat?

Keine bedeutungsgeladenen Objekte sind hier versammelt, eher vertraute Dinge, die mit dem Betrachter kommunizieren, während die Sonne ihr Fenstermuster aus Licht auf den Boden malt. Alles sieht zufällig aus, ist aber das Ergebnis einer „Residenz“: Neben Sebastian Moske haben Tobias Heine, Max Santo und Pio Rahner – allesamt aus Bremen – vier Wochenenden in den Räumen des Fördervereins Aktuelle Kunst (FAK) in Münster verbracht. Ein Zuhause auf Zeit, das sie mit ihren Arbeiten und Objekten verändert haben. Diese wurden laut Wigger, bis auf die Holzrinne aus dem Jahr 2016, eigens für die Ausstellung konzipiert. Von Pio Rahner etwa stammen die Fotografien: Sie zeigen Dübel aus Holz oder Akkubohrer-Aufsätze aus Metall, die Räume in der Tiefe assoziieren lassen. Aus dem Lautsprecher erklingt „Man in the Mirror“ auf Gitarre – rückwärts gespielt. Eine Klanginstallation von Max Santo.

„Torx“ ist die erste von drei Ausstellungen, die Maximilian Wigger mit seinen Kollegen Luca Bockholt, Till Görlitz und Kai Eric Schwichtenberg 2019 beim FAK kuratieren wird. „Concrete Feelings“ lautet das Oberthema. Und um „konkrete Gefühle, evoziert durch das verwendete Material“, geht es laut Wigger auch bei „Torx“.

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Die Ausstellung wird am Samstag (6. April) um 19 Uhr im Ausstellungsraum des Fördervereins Aktuelle Kunst, Fresnostraße 8, eröffnet. Sie dauert bis zum 28.4. und ist Fr bis So von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

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