Glaskunst im Torhaus
Gläserner Fisch mit echten Gräten

Münster -

Jeder, der mit Glas arbeitet, weiß, dass Glas ein unberechenbares Material ist: ein bisschen Alchemie, ein bisschen Geheimnis. Wer die Glaskunst von Christine Kucinski betrachtet, macht ungeahnte Entdeckungen.

Donnerstag, 04.04.2019, 18:46 Uhr
Schön anzusehen: die Glaskunst von Christine Kucinski – etwa der Fisch mit Naturmaterial im Innern.
Schön anzusehen: die Glaskunst von Christine Kucinski – etwa der Fisch mit Naturmaterial im Innern. Foto: pn

Manchmal, wenn die Künstlerin den Ofen anwirft, um eine Glasarbeit zu brennen, herrscht dicke Luft im Atelier. Wer den Fisch genauer betrachtet, der im Ausstellungsraum des Stadtheimatbundes auf einem Sockel steht, ahnt warum: Er trägt Gräten, die ihm ein leibhaftiger Zeitgenosse abgetreten hat, in seinem transparenten Innern. Und Brenn-Temperaturen von 850 Grad, schildert Dr. Christine Kucinski mit einem Lachen, sorgen dafür, „dass es dann schon mal ordentlich stinkt“ bei der Arbeit.

Vollkommen geruchsfrei ist hingegen die Ausstellung „Zwischen Welten in Glas“ im historischen Torhaus am Neutor. Dort, beim Stadtheimatbund, präsentiert Christine Kucinski von Sonntag an eine Auswahl ihrer Glasarbeiten. Und erklärt auch, woher der Titel der Schau kommt: Geboren in Schlesien und inzwischen wohnhaft in Münster, fühlt sie sich „als Mensch zwischen den Welten“. „Die Glaskunst ist für mich eine Möglichkeit, mich nonverbal auszudrücken“, beschreibt Kucinski. Einmal im Jahr reist sie in ihre Heimat, wo die Glaskunst bis heute einen besonderen Stellenwert genießt.

In Lehrgängen an Glashütten und an der Kunstakademie Breslau hat sie den Umgang mit dem Material Glas erlernt. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem kostspieligen Werkstoff geht es Kucinski nicht nur um die Optik. Sie experimentiert mit der Wandlungsfähigkeit und Eigenart des fragilen Materials, das sie mit Metall, Stein, Keramik und organischen Stoffen kombiniert – wenn sie ihm nicht echte Gräten beigibt.

In einer weiteren Arbeit hat sie dünne Alu- und Kupferfolie eingearbeitet, die beim Brennen stark reagieren und die Farbgebung beeinflussen. Ins Auge sticht auch das gemäldegleiche Stillleben mit seltsam klarer Formensprache. Die Melone im unteren Teil der Arbeit hat die Künstlerin mit schwarzen Glasstäbchen sehr dynamisch garniert. Auch zwei launige Figuren lassen sich entdecken – aus dem Zyklus „Glückliche Menschen“, den Kucinski immer wieder um neue Stücke bereichert. Und wer einen Platz für seine Brille sucht, dem sei die gläserne Skulptur mit Brille empfohlen. Deren Witz überträgt sich sofort auf den Betrachter.

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Vom 7. April (Eröffnung um 11 Uhr) bis zum 31. Mai beim Stadtheimatbund im Torhaus, Neutor 2. Mo bis Fr von 10 bis 12.30 Uhr

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