Kulturabend im Stadtmuseum
Leichte Muse und sozialkritische Töne

Münster -

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gab es eine Art Interessenkonflikt. Kaiser Wilhelm II. wollte unbedingt die Monarchie retten, während dem Volk die Monarchie zu diesem Zeitpunkt längst egal war – es wollte endlich Frieden und wieder was zu essen. So steht es in Ernst Tollers Autobiografie „Eine Jugend in Deutschland“, aus der Carsten Bender eine Passage las. Vorher hatte Christiane Hagedorn „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ geträllert, was stimmungsmäßig einen ziemlichen Kontrast darstellte, aber durchaus dem Konzept des Abends entsprach.

Freitag, 05.04.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 17:52 Uhr
Christiane Hagedorn sang ironische und sozialkritische Lieder.
Christiane Hagedorn sang ironische und sozialkritische Lieder. Foto: jas

Literatur und Musik der Weimarer Republik war Thema der Veranstaltung „Tanz auf dem Vulkan“ am Donnerstag im Stadtmuseum . Es seien „Krisenjahre der klassischen Moderne“ gewesen, ein „Höllenritt von der Monarchie zur Diktatur“, erklärte Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé in ihrer Einführung. Zugleich war die Weimarer Republik eine Blütezeit der Musik, insbesondere der leichten Muse – was aber nicht verhinderte, dass ein Großteil ihrer Protagonisten von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben wurde.

Dieses Schicksal ereilte auch Schriftsteller wie Kurt Tucholsky oder Bert Brecht, aus dessen „Dreigroschenoper“ Carsten Bender und Katharina Tiemann die Szene vortrugen, in der Bettlerkönig Peachum über die „fünf Grundtypen des Elends“ doziert, die geeignet seien, das Herz des Menschen zu rühren. Man dürfe nur nicht sein eigenes Elend darstellen, heißt es, denn das glaube einem erfahrungsgemäß keiner. Um soziales Elend, insbesondere das der Proletarier, ging es auch in Anna Seghers Erzählung „Grubetsch“, während Egon Erwin Kisch in einem Bericht aus dem Berliner Leichenschauhaus die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs anprangerte.

Von Martin Scholz am Klavier begleitet, bewegte sich Christiane Hagedorn von der leichten Muse hin zum politischen Lied. In Titeln wie „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Was macht der Maier am Himalaya“ betonte sie die feine Ironie, die diesen Liedern anhaftet, während sie in Songs aus der „Dreigroschenoper“ deren sozialkritische Schärfe ausspielte. Eine gelungene Veranstaltung.

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