Benjamin Vandewalle und Platform K mit „Common Ground“ im Pumpenhaus
Vom sadistischen Pianisten angetrieben

Münster -

„Frei umherschweifende Atome“ ist die Eingangsszene von Common Ground“ überschrieben. Und genau das ist es, was Choreograf Benjamin Vandewalle mit seinen beiden Tänzern im Pumpenhaus macht. Spielerisch sausen sie über die Bühne und scheinen reichlich Spaß dabei zu haben. Aber das währt nicht lange. Am Bühnenrand sitzt mit Christian Mendoza ein sadistischer Pianist, der zwischendurch immer wieder ein Stakkato in die Tasten haut und die drei damit in hektische Bewegungen treibt. Das hat Power und eine ganz eigene Ästhetik. Nicht graziös und verfeinert gestaltet sich hier der Tanz, sondern rau und unmittelbar.

Sonntag, 07.04.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 17:52 Uhr
Choreograf Benjamin Vandewalle mit den Tänzern Kobe Wyffels und Hannah Bekemans
Choreograf Benjamin Vandewalle mit den Tänzern Kobe Wyffels und Hannah Bekemans Foto: Thomas Dhanens

Dafür sind im Wesentlichen Hannah Bekemans und Kobe Wyffels verantwortlich, zwei Tänzer mit Downsyndrom von Platform K., der Genter Ausbildungsstätte für professionelle Tänzer mit Behinderung. Zusammen mit Vandewalle entwickeln sie einen Stil, der herkömmliche Sehgewohnheiten aufbricht. Auf den ersten Blick wirkt ihre Bewegungen unfertig – zwar nicht ohne Charme, aber auch nicht mit der Perfektion, die man gemeinhin erwartet. Mit zunehmendem Spiel wird ihre Art zu tanzen aber immer selbstverständlicher. Nicht zuletzt, weil die Protagonisten völlig bei sich zu sein scheinen.

Sanft, geradezu zärtlich gestaltet sich eine Kontaktimprovisation, die zusätzlich auf Leinwand übertragen wird, wobei sich durch die am Boden platzierte Kamera eine interessante Froschperspektive ergibt. Als der unberechenbare Pianist plötzlich wieder in die Tasten haut, ändert sich das Bild abrupt. Was weich und sanft war, wird rau und ungestüm. Wie ein Äffchen klammert sich die Tänzerin an einen Baumstamm, den die aufgestellten Beine ihres Partners bilden. Im nächsten Bild sind die beiden so ineinander verschlungen, dass sie wie ein groteskes Fabelwesen über die Bühne robben.

Erfreulicherweise kommt bei der ganzen Aktion auch die Komik nicht zu kurz. Immer wieder gibt es Passagen, die für Lacher im Publikum sorgen. Ganz auf Spaß zielt die letzte Szene, in der das Ensemble mit Bühnennebel, skurrilen Kostümen und krachendem Soundtrack ein wahres Horrorszenario entwickelt, das von der fauchenden, als Yeti verkleideten Bekemans dann grandios ins Lächerliche gezogen wird.

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