Konzert der MikroPhilharmonie Einklang
Im Mini-Floß auf dem Pazifik

Münster -

Vielleicht wäre musikalischer Klang als eine Wasseroberfläche vorstellbar, unter der eine unendliche Vielfalt an Details und Perspektiven verborgen ist – quasi die Partitur des Meeres. Wer es mit einem Ozeanriesen überquert, wird Kraft und Launen der Natur kaum zu spüren bekommen. Wer es im kleinen Format versucht, wird seinem Geheimnissen eher auf den Grund gehen (müssen). So ähnlich schien es im Westfalen Forum, wo sich Joachim Harder mit den Musikern seiner „MikroPhilharmonie Einklang“ drei Zentralwerken der Wiener Klassik stellte – es war, als riskierten siebzehn Helden auf einem Mini-Floß eine Abenteuerreise auf dem Pazifik.

Montag, 08.04.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 17:52 Uhr
Joachim Harder und die Musiker seiner „MikroPhilharmonie Einklang“ beim Konzert im Westfalen Forum
Joachim Harder und die Musiker seiner „MikroPhilharmonie Einklang“ beim Konzert im Westfalen Forum

Die meisten Instrumente waren einfach, nur Violine, Klarinette, Fagott und Horn doppelt besetzt. Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ klang vom ersten Akkord an, als hätte man sie noch nie gehört. Kein großsymphonischer Pomp, sondern Transparenz in allen Lagen, ein federndes Tempo bei präziser Austarierung des Gesamtklangs. Mozarts unerhört populäres Klavierkonzert A-Dur KV 488 interpretierte Shootingstar Fabian Müller nuancenreich, zügig und zart zugleich, betonte das Inwendige dieser Musik ebenso wie speziell im abschließenden Rondo sportiven Elan. Die Kadenzen besaßen Ganz und Eleganz, das abgründige mittlere „Adagio“ alle Melancholie der Welt.

Im Orchester Details, als sei man auf den Meeresgrund getaucht: Die Zwiesprache zwischen Klarinette und Fagott schien Geheimnisse eines Jahrhundertlebens zu erinnern, tolle Sprints der Bläser im Finale hoben Virtuosität und Dramaturgie mozartscher Orchestrierung hervor. Das Klavier verteidigte seinen Platz als primus inter pares, ohne den Klangraum voll neuer Zeichen zu ignorieren, die das Orchester ihm zuspielte: Mikrophonien im Mikrokosmos.

Nach der Pause Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 2 D-Dur, die ihr Revolutionäres gegen gespannte Intensität und doppelbödige Rasanz eintauschte. Mit dem heroischen Orest Kudlovskyi als Konzertmeister erlebte man keine große Streichergruppe, die orchestrale Herrschaft an sich reißt, keine Bläserstimmen, die obligatorisch mitflattern, kein Rhythmus auf schiefer Bahn. Stattdessen erschienen ins­trumentale Details, die kaum je ans Licht der Öffentlichkeit dringen, auf der Bildfläche, etwa die Akzente der Trompete. Beschwingt Spiel und Zuspiel der Motive, Paukengrollen und Horntupfer, die Warnsignale der Flöte im Finale. Wer die Augen schloss, hörte die Musik – und vermisste nichts.

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