“Die Mitwisser“ im Wolfgang-Borchert-Theater
Die Geister, die er rief

Münster -

Der Autor hat sein Stück eine „Idiotie“ genannt. „Das ist nicht gerade ein feststehender Gattungsbegriff“, sagt Monika Hess-Zanger, „das ist eine Erfindung des Autors, und ich glaube, dass es in diesem Fall als Gegenstück zur Dystopie, also der Umkehrung der Utopie, verstanden werden kann.“ „Die Mitwisser“ heißt das Stück von Philipp Löhle, das am Donnerstag (11. April) Premiere am Wolfgang-Borchert-Theater hat – in einer amüsanten wie bitterbösen Inszenierung von Monika Hess-Zanger.

Dienstag, 09.04.2019, 17:53 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 12:09 Uhr
Noch sind sie auf Kuschelkurs: der Assistent Herr Kwant (Jürgen Lorenzen) und der Enzyklopädist Herr Glass (Florian Bender).
Noch sind sie auf Kuschelkurs: der Assistent Herr Kwant (Jürgen Lorenzen) und der Enzyklopädist Herr Glass (Florian Bender). Foto: Tanja Weidner

Das Stück, so schildert Tanja Weidner, Dramaturgin am Borchert-Theater, „spielt in unserer jüngeren Vergangenheit – in einer Parallelwelt, in der alles noch analog geschieht“. Im Zentrum steht Theo Glass, ein Enzyklopädist (gespielt von Florian Bender). Als dieser sich eines Tages einen Assistenten namens Kwant (Jürgen Lorenzen) besorgt, der alles weiß und auch enzyklopädische Artikel schreibt, und zwar deutlich schneller als Herr Glass, gerät dieser bei seinem Chef ins Hintertreffen. Kwant macht Glass überflüssig.

Als Monika Hess-Zanger Philipp Löhles Werk, das vor einem Jahr am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt wurde, las, hatte sie Bedenken. „Der Humor hat mir beim Lesen sofort gefallen. Allerdings habe ich mir anfangs die Frage gestellt, ob es geschrieben worden ist, um Kindern das Internet zu erklären.“

Sehr vereinfacht seien die Dinge dargestellt, fast wie bei einer Karikatur, sagt Hess-Zanger. „So sind die Szenen meist kurz, mit einer knackigen Pointe, und es wird alles konsequent analog und ins Deutsche übersetzt abgehandelt.“ Aus Facebook wird hier „Gesichtsbuch“, aus dem Whistleblower der „Pfeifenbläser“.

Natürlich ist das Stück kein Kinderspiel. „Wir wollen aufzeigen, in welche Abhängigkeit wir uns durch die fortschreitende Digitalisierung begeben“, schildert Weidner angesichts der aktuellen Diskussionen über Künstliche Intelligenz, Wahlmanipulationen und Ähnliches. „Der Enzyklopädist“, sagt sie, „ruft Geister, die er später nicht mehr los wird. Er wird zum Warner einer Umwelt, die sich längst freiwillig in die digitale Abhängigkeit begeben hat.“

Der 40-jährige Philipp Löhle lässt die Zuschauer in einer vollkommen „kwantifizierten“ Welt landen, in der die dunklen Ahnungen über Big Data und Co. mehr als erfüllt wurden. Das Stück hält uns den Spiegel vor“, so Weidner. Nicht moralinsauer, sondern durch das erzählerische Mittel der Absurdität.

„Ich glaube“, sagt Monika Hess-Zanger voraus, „dass wir über unsere unfassbare Blauäugigkeit diesem Medium gegenüber über diesen Abend lachen können.“

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Für die Premiere am Donnerstag (11. April) um 20 Uhr im Borchert-Theater, am Mittelhafen 10, gibt es noch Restkarten unter '  40019 und im Internet. Weitere Aufführungen am 13. (20 Uhr) und 14. April (18 Uhr).

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