Premiere im Pumpenhaus
Ein Dickicht aus tausend Fäden

Münster -

Aus einem Loch im Boden kommt er auf die Bühne gekrochen, mehrere Gürtel um den nackten Oberkörper geschlungen und die blond gefärbten Haare steil hochgestriegelt. Es ist die Frisur von Werner Schwab, die sich Carsten Bender hier zugelegt hat. Und es ist nicht das erste Mal, dass er sich mit dem österreichischen Theaterberserker beschäftigt, der sich am Neujahrsmorgen 1994 mit vier Promille Alkohol aus dem Leben katapultiert hat. Nach „Offene Gruben Offene Fenster“ 2010 stand jetzt „Der Dreck und das Gute. Das Gute und der Dreck“ im Pumpenhaus auf dem Programm.

Freitag, 12.04.2019, 17:16 Uhr
Mit Gürteln um den nackten Oberkörper und blond gefärbten Haaren feuert Carsten Bender kraftvoll Salve für Salve ins Publikum.
Mit Gürteln um den nackten Oberkörper und blond gefärbten Haaren feuert Carsten Bender kraftvoll Salve für Salve ins Publikum. Foto: Jörg Kersten

„Der Dreck...“ ist kein Theaterstück, sondern eine Art Essay. Aber einer, der es in sich hat. „Sie werden kein Wort verstehen“, warnt Regisseur Thomas Thieme das Publikum in seiner Einführung. Da hat er recht. Es sind tausend Fäden, die hier zu einem Dickicht aus Text verwoben sind. Und zieht man an einem, hat man nichts in der Hand. Beziehungsweise alles – das ganze Universum aus Gemeinheit und Niedertracht, dem Schwab wie kein anderer in seinem Werk Ausdruck verliehen hat.

Es ist eine einzige, gewaltige Erregung, die Bender hier zur Aufführung bringt. „Alles verfault kreativ unten in der Schlucht“, heißt es beispielsweise über die Stadt Graz, in der Schwab den größten Teil seines Lebens verbracht und in der er seine „Daheimgebliebenheit“ verflucht hat. Bender legt sich mächtig in Zeug. Wie ein Maschinengewehr feuert er die Worte ins Publikum, Salve für Salve – bis er plötzlich abbricht, ganz ruhig nach hinten geht, wo der Essay ausgedruckt vor einer angedeuteten Alpenkulisse hängt, und nachschaut, wie es weitergeht. Das macht er mehrmals, und es wirkt wie ein inszenatorischer Trick, weil es den brachialen Grundton des Textes wirkungsvoll kontrastiert. Aber angeblich sind es echte Hänger, wie Thieme im anschließenden Gespräch erklärt, geschuldet der kurzen Probenzeit von nur wenigen Tagen. Wie auch immer – auf jeden Fall ist es eine rasante und äußerst sehenswerte Aufführung, die Bender hier abliefert und in der Thieme eine Gemeinsamkeit zwischen ihm und Schwab sieht. „Sie verbrennen ihren Stoff in dem Moment, in dem sie ihn darbieten“, sagt er, und man muss ihm recht geben.

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Letzte Aufführungen heute (13. April) und am Sonntag um 20 Uhr im Pumpenhaus

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