Charivari: „Kasper und das Geheimnis der Sterne“
Auf dem Jupiter schwimmt ein Spiegelei

Münster -

Es gab einmal eine Zeit, da holte der Kasper den Kindern die Sterne vom Himmel – und nicht die Spielkonsole. Im „Charivari“ ist diese Vergangenheit fast geheimnisvoll gegenwärtig: Von den Wänden blicken Puppenfamilien aufs Publikum und erinnern an kindliche Blickrichtung: aufwärts – und nicht abwärts. Dass Wilfried Pleins Kasper an diesem Nachmittag dem „Geheimnis der Sterne“ auf der Spur war, wirkte so wie eine selbstverständliche Mission, das stattliche Stativ links neben der Puppenbühne aber wie ein außerirdischer Gast.

Sonntag, 14.04.2019, 17:16 Uhr
Kasper bekommt es mit Professor Pfefferminz zu tun.
Kasper bekommt es mit Professor Pfefferminz zu tun. Foto: Moseler

Derart nahm die Atmosphäre des Puppentheaters die Kinder gefangen, dass es sie kaum auf den Sitzen hielt: Kaspers obligatorischem „Seid ihr alle da?“ flog der Windstoß eines schallenden „Jaaaaaa!“ entgegen. Kinderaugen musterten ernsthaft die Puppenfiguren: „Das sind aber große Ungeheuer!“, stellte ein Knirps auf Muttis Schoß fest. Sternwart Witold Wylezol hatte Position hinter einem Projektor bezogen, Plein zückte eine Mundharmonika: „Was ist das für ein Instrument?“ „Flöte!“, krähte es von irgendwo her, dann setzte sich ein Trommelwirbel mit Händen und Füßen als kleiner Eröffnungsmarsch in Bewegung.

Der Vorhang öffnet sich („Hauruck, hauruck“), Auftritt König Schokolade, Regent von „Zuckerland“ („Dort ist das Leben so süß“), trifft auf Sterndeuter Professor Pfefferminz. Letzterer ähnelt mit turmhohem Spitzhut und dolchartiger Nase einem zwielichtigen Gesellen: Er stellt ein fieses Ultimatum: Entweder er kriegt Prinzessin Marzipan zur Frau, oder das zum Stativ gehörige Fernrohr bleibt, wo es ist: gestohlen! Die Kinderschar erhebt gewaltigen Protest, wie auch die Angebetete: „Der hat eine blöde Stimme!“ Allerdings rückt der Bösewicht seine Beute heraus, kaum dass Kasper mit seiner „Patsche“ droht: „Die knallt nur und weckt nur die Lebensgeister“, reicht Puppenvirtuose Plein aus dem Off pädagogische Prophylaxe nach und kann Sternwart Wylezol seine kosmische Fotostrecke starten. Man sieht einen malerischen Mond aufgehen: „Vollmond!“, kreischen die Kinder. Dann rückt der Mond näher, malt sich der Schatten eines Flugzeugs ab, erklärt Wylezol das „Kaukasusgebirge“ und das „Regenmeer“, von da aus geht’s zur Sonne, die plötzlich einen Leberfleck hat. Auf der Oberfläche des Jupiter scheint ein Spiegelei zu schwimmen. Nichts ist eben geheimnisvoller als die Wirklichkeit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6542807?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Entwicklung spitzt sich zu: Steht UKM-Chef Nitsch vor dem Aus?
Weithin sichtbar: Die Türme des münsterischen Universitätsklinikums, deren Außenhaut in den zurückliegenden Jahren komplett saniert wurde. Im Innern gibt es Streit – über den Führungsstil des Ärztlichen Direktors und die mangelnde Finanzausstattung durch das Land.
Nachrichten-Ticker