Der neue Orgelspielschrank in der Kreuzkirche
Mobilität macht Treppensteigen obsolet

Münster -

Das Problem ist in Metern messbar: Es sind etliche, die den Orgelspielschrank in der Heilig-Kreuz-Kirche oben auf der Empore von der Chorgemeinschaft trennen

Donnerstag, 18.04.2019, 18:06 Uhr
Ein Mitarbeiter der Werkstatt Fleiter baute in dieser Woche den fahrbaren Orgelspieltisch in Heilig Kreuz auf, der sogar eigene Pfeifen bekommt.
Ein Mitarbeiter der Werkstatt Fleiter baute in dieser Woche den fahrbaren Orgelspieltisch in Heilig Kreuz auf, der sogar eigene Pfeifen bekommt. Foto: Christoph Schulte im Walde

Das Problem ist in Metern messbar: Es sind etliche, die den Orgelspielschrank in der Heilig-Kreuz-Kirche oben auf der Empore von der Chorgemeinschaft trennen. Denn die Sängerinnen und Sänger nehmen üblicherweise vorn im Altarraum der Kirche Aufstellung. Das aber macht Probleme bei der Verständigung zwischen Chor und Orgel. Kein gutes Gefühl, weder für den Spieler der Orgel noch für die Vokalisten. Aber mit dieser unglücklichen Situation ist ab Ostern Schluss.

Die Heilig-Kreuz-Orgel hat einen zweiten, fahrbaren Spieltisch. Und der steht unten in der Kirche. Immer dort, wo er gebraucht wird. „Das bringt große Vorteile beim gemeinsamen Musizieren“, freut sich Jutta Bitsch , seit 20 Jahren Kirchenmusikerin der Gemeinde im Kreuzviertel. Denn nichts geht über den direkten Kontakt zwischen allen Beteiligten, der nun möglich ist dank des von der Nienberger Orgelbauwerkstatt Fleiter installierten Spieltisches.

Einiges war zu tun, denn was bisher nur auf rein mechanischem Wege passiert, nämlich das Drücken der Manual- und Pedaltasten, funktioniert jetzt zusätzlich elektrisch. Ein über das Kirchengewölbe gezogenes Elektrokabel verbindet den neuen Spieltisch unten mit der Emporen-Orgel oben, in deren Innenleben nun viele kleine Elektromagnete arbeiten. Sie öffnen und schließen die Ventile zu den Pfeifen der 2003 eingeweihten Fleiter-Orgel, in der wertvolles altes Klangmaterial aus der Zeit um 1905 wiederverwendet wurde.

Mit einer raffinierten Besonderheit kann der neue Spieltisch aufwarten: Er wird nicht nur „Schaltzentrale“ der „alten“ Orgel – sondern selbst eine veritable kleine neue Orgel. „Im Spieltisch integriert sind zwei Pfeifenreihen, aus denen fünf Register gewonnen werden“, erläutert Jutta Bitsch. Im Fachjargon nennt man dergleichen „Orgelpositiv“, das vor allem als Continuo-Ins­trument gute Dienste leisten wird zum Beispiel zur Begleitung von Sängern oder Instrumentalisten, aber ebenfalls die Funktion eines Solo-Instruments für kammermusikalische Werke wie etwa Georg Friedrich Händels Orgelkonzerte übernehmen kann.

In der Osternacht ist also Premiere für die neue Technik. Ab sofort wird Jutta Bitsch darauf verzichten können, wie in all den zurückliegenden 20 Jahren brav die Treppenstufen zu erklimmen hinauf zu ihrem luftigen Arbeitsplatz auf der Empore.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6552770?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Mehr Buchen, bitte!
Buchen unter Eichen: Förster Holger Eggert zeigt einen "zweischichtigen Bestand."
Nachrichten-Ticker