„Füreinander – Zueinander – Ich“ in der Studiobühne
Die Liebe der Paare trotzt der Demenz

Münster -

So groß war der Zuschauerandrang bei der Studiobühne, dass noch Stühle dazugestellt werden mussten. Das Theaterstück „Füreinander- Zueinander – Ich“ war von und mit Paaren mit einem an Demenz erkrankten Partner gestaltet und hatte am Sonntagabend Premiere in der Studiobühne.

Montag, 29.04.2019, 18:54 Uhr
Der Engel mit der roten Rose ließ einzelne Paare auf der Bank Platz nehmen, um ihre Liebesgeschichte zu erzählen.
Der Engel mit der roten Rose ließ einzelne Paare auf der Bank Platz nehmen, um ihre Liebesgeschichte zu erzählen. Foto: Maria Conlan

So groß war der Zuschauerandrang bei der Studiobühne, dass noch Stühle dazugestellt werden mussten. Das Theaterstück „Füreinander- Zueinander – Ich“ war von und mit Paaren mit einem an Demenz erkrankten Partner gestaltet und hatte am Sonntagabend Premiere. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir nicht gespielt“, kommentierte ein Schauspieler den Besucherandrang augenzwinkernd.

Alle Akteure gehörten zur Gruppe „Meine Demenz und wir – Jungerkrankte und ihre Partner“. Verständlicherweise waren sie nervös, erzählten sie doch eine gute Stunde lang ihre höchst persönlichen Geschichten, mit wenig Requisiten, aber viel Herz: das Kennenlernen, den Beginn ihrer Liebe, aber auch Schwierigkeiten und Verzweiflung durch das Zusammenleben mit dem dementen Partner – ausgedrückt durch Sätze wie „Wo bleibe ich?“ und „Ich kann nicht mehr“. Es wurde ein sehr berührendes Theaterstück.

Zwischen den Dialogen gab es immer wieder Musik und Tanz. „Die Musik haben sich die Spieler selbst ausgesucht“, berichtete Theatermacher Erpho Bell , der Regisseur, von dem auch das Stückkonzept stammte. Beim Abschlusssong „Für dich soll’s rote Rosen regnen“ luden die Spieler das Publikum zum Mittanzen ein, und es wurde zu einer kleinen Feier der Liebe und des Lebens. Zu Beginn traten alle Beteiligten von verschiedenen Richtungen auf, setzten sich in die erste Reihe und nahmen dann allein oder paarweise Platz auf einer Parkbank, herausgepickt durch einen Engel-Schauspieler mit roter Rose. Auf der Bank ging es um die Gefühle, die zarten, die zermürbenden – und als Projektion gab es Bilder vom jungen Liebespaar im Hintergrund, während das ergraute Paar vorn auf der Bank saß. Die Musik und Tänze zwischen den kleinen Szenen gab dem Stück eine Leichtigkeit, die der Thematik die Schwere nahm und die Liebe und das Miteinander veranschaulichte.

Oberärztin Stefanie Oberfeld, Leiterin des Gerontopsychiatrischen Zentrums im Clemens-Wallrath-Haus der Alexianer, berichtete von der Entstehungsgeschichte des Stückes: Es begann mit einem Workshop im vorigen Sommer und wurde mit Proben seit Februar fortgesetzt. Sie lobte den Mut der Beteiligten und dankte dem Einsatz von Ulrike Kruse (Clemens-Wallrath-Haus) und Erpho Bell. Wann und wo es weitere Vorführungen geben wird, ist noch offen.  

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