Sinfonieorchester begleitet Buster Keatons „General“
Jeden Prügelstock inklusive

Münster -

Dass Buster Keaton, der „Mann, der niemals lachte“, zu seinen besten Zeiten etwa so erfolgreich war wie Charlie Chaplin, wissen die Wenigsten. Einen von Keatons besten Filmen konnte man nun in aller Pracht erleben: „Der General“. Dem Kinokonzert des Sinfonieochesters Münster sei Dank. Einmal mehr wurde im Cineplex die sinnliche Wucht der alten Stimmfilmbilder mit orchestralen Live-Klängen illuminiert. Das zog viele Zuschauer in den akustisch leider trockenen Saal.

Dienstag, 30.04.2019, 18:23 Uhr
Teuerster Stummfilm, größter finanzieller Flop, aber nicht nur deshalb hat Buster Keaton mit „Der General“ Filmgeschichte geschrieben. Für Münsters Sinfonieorchester Anlass für ein Kinokonzert.
Teuerster Stummfilm, größter finanzieller Flop, aber nicht nur deshalb hat Buster Keaton mit „Der General“ Filmgeschichte geschrieben. Für Münsters Sinfonieorchester Anlass für ein Kinokonzert. Foto: United Artists

Und hier war das orches­trale Passepartout so wichtig wie selten, servierte Keaton 1926 doch ein veritables Epos, das in die Weite des Wilden Westens entführt, genauer: Er greift den real verbürgten „Andrews-Überfall“ des amerikanischen Bürgerkriegs auf. Da gibt es große Panoramabilder mit Hunderten Pferden und Statisten, Schlachtengetümmel, Kanonendonner – und jene Dampflok namens „General“, die dem Film den Titel gibt.

Da konnte der Stummfilm-versierte Carl Davis 1987 bei seiner Vertonung ordentlich in die Vollen greifen. Er holte aus der Traditionskiste so manches heraus, was in der frühen Tonfilm-Ära ein Max Steiner („Vom Winde verweht“) ähnlich gemacht hatte: Romantische Orchestrierung inklusive Banjo und Mundharmonika sowie ein Motivgewimmel, das auf musikalische Zitate des Bürgerkriegs zurückgreift („When Johnny comes marching home“). Dirigent Stefan Veselka und das Orchester brachten das knackig auf den Punkt – jeden Prügelstock auf den Kopf inklusive: Klack!

Keaton spielt den Lokführer Johnny Gray, der seine Angebete Annabelle verliert, weil ihn die Südstaaten-Armee abgewiesen hat. Als Annabelle versehentlich mit Johnnys Dampflok „General“ von Nordstaatlern entführt wird, nimmt er die Verfolgung auf. Und fast sämtliche Gags ergeben sich aus den Tücken des Schienenstrangs: Aus verstellten Weichen, entkuppelten Waggons, ausgehendem Feuerholz und Ähnlichem.

Das ist grandios gemacht, verquickt den Humor jedoch mit Kriegsereignissen – sicher mit ein Grund, dass „Der General“ nicht nur einer der teuersten Stummfilme überhaupt war, sondern zudem einer der größten finanziellen Flops. Umso verdienstvoller, dass Konzerte dem Werk so wunderbar Reverenz erweisen.

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