Orgelabend im Paulusdom
Virtuose Klangmalerin

Münster -

Es gibt Konzerte, die man so schnell nicht vergessen wird. Der Orgelabend am Samstag im Dom mit Zuzana Ferjenčíková war ein solches. Weil man als Zuhörer förmlich auf der Stuhlkante saß, gehüllt in den Bann eines Klanges, der in jeder Sekunde Aufmerksamkeit auf sich zog, der ein intensives emotionales Potenzial entwickelte.

Sonntag, 05.05.2019, 17:12 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 18:16 Uhr
Zuzana Ferjenčíková am Spieltisch der Orgel im Paulusdom
Zuzana Ferjenčíková am Spieltisch der Orgel im Paulusdom Foto: cws

Schon gleich eingangs in der „Fantaisie“ op. 1 von Jean Guillou – jenem Anfang diesen Jahres gestorbenen Meister, der in der französischen Orgelszene immer als „enfant terrible“ angesehen wurde. Obwohl Guillou doch stets aus der Tradition schöpfte und diese kreativ weiterentwickelt hat. Die ersten Akkorde der Fantaisie „à la Messiaen“ zeigen dies. Und dann kommt Guillou, der Klangmagier, der mit der Orgel umgeht wie ein Maler mit seiner üppig ausgestatteten Palette an Farben.

Farbige Bilder zeigte Zuzana Ferjenčíková an diesem Abend in Hülle und Fülle. Ganz prominent mit den berühmten „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski, von Jean Guillou für Orgel eingerichtet: ein grandioses, schillerndes Tableau. Da sind der zappelnde Gnom, das Kükenballett und der von schwer stapfenden Ochsen gezogene Karren, lebhaftes Marktplatztreiben in Limoges (dem auf dem Domplatz nicht unähnlich) und finsteres Licht in den Pariser Katakomben. Das alles ist Futter für Zuzana Ferjenčíková. Als virtuelle Malerin zieht sie buchstäblich alle Register. Die Orgel dröhnt, sie wispert, sie singt, sie tanzt in silberhellen Tönen. Selten hat man das In-s­trument im Paulusdom in derart vielen Facetten leuchten gehört. Dazu gehört neben der mentalen Meisterleistung der in der Slowakei geborenen und im schweizerischen Fribourg lebenden Interpretin auch die rein physische. Guillous Transkription erfordert eine exorbitante Hand- und Fußarbeit. Aber in dieser Hinsicht kennt die Gastorganistin offenbar keinerlei Grenzen: eine Virtuosin erster Güte. Ganz wie ihr Lehrer Jean Guillou, dem sie eng verbunden war. Aktuell arbeitet sie an einer Gesamteinspielung seiner Werke.

Konzertfinale im Dom: Ferjenčíkovás Improvisation über „Pietà und Auferstehung“, das Triptychon von Thomas Lange in der Turmkapelle des Doms. Abermals Bilder von frappierender Wirkung zwischen zarter Poesie und großer Dramatik. Daran wird man sich lange erinnern. Riesiger Beifall.

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