„Der Zuschauspieler“ im Kleinen Bühnenboden
Die Quälerei der Quasselstrippe

Münster -

„Einfach nur sitzen, die Dinge geschehen lassen ...“ Wie ein Mantra wiederholt der Herr in der ersten Reihe diese Worte. Er freut sich auf die Vorstellung. Fein hat er sich gemacht fürs Theater, dunkler Anzug, weißes Hemd. Der Platz neben ihm ist frei, auch gut. Aber nicht mehr lange. Schon kommt ein Nachzügler, stolpert à la Loriot durch die Zuschauerreihen, setzt sich neben ihn – und fängt an zu reden.

Sonntag, 05.05.2019, 17:12 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 18:16 Uhr
Der verzweifelte Theaterbesucher (Konrad Haller, l.) würde gern einer Aufführung lauschen, wird aber von der Quasselstrippe neben ihm (Toto Hölters) zugetextet.
Der verzweifelte Theaterbesucher (Konrad Haller, l.) würde gern einer Aufführung lauschen, wird aber von der Quasselstrippe neben ihm (Toto Hölters) zugetextet. Foto: Helmut Jasny

„Eine Zumutung“ nennt Tilman Rademacher sein Stück „Der Zuschauspieler“, das am Freitag im Kleinen Bühnenboden Uraufführung feierte. Eine Zumutung ist es aber nur für Konrad Haller , der den kunstliebenden Theaterbesucher spielt und dabei mit Toto Hölters als unermüdlicher Plaudertasche konfrontiert wird. Für das Publikum ist es ein Kleinod der Komik – fein der Humor, treffsicher die Pointen, exakt die Gesten und stimmig die Dramaturgie.

Der Clou ist aber die Bühne. Denn eine solche gibt es gar nicht. Hölters und Haller sitzen in der ersten Zuschauerreihe, vor sich eine Spiegelwand, die Schauspieler und Publikum reflektiert, sodass man beim Zuschauen sich selbst zuschauen könnte. Allerdings macht das keiner. Viel zu interessant ist, was sich zwischen den beiden Herren abspielt, die vom Licht der Scheinwerfer aus dem Halbdunkel herausgeschält werden.

Hölters, dessen Auftritt man durch den Spiegel bequem beobachten konnte, ohne sich umdrehen zu müssen, ist schon rein äußerlich das Gegenteil seines Sitznachbarn. In kariertem Hemd und schlabbrigem Regenmantel richtet er sich auf seinem Platz ein, holt eine Tüte Nüsse aus der Tasche, die erst nicht aufgehen will, dann plötzlich doch aufgeht, sodass der Inhalt über den Boden kullert. Als endlich wieder Ruhe einkehrt, fällt ihm ein, dass er in dem geheizten Raum ja seinen Mantel ausziehen könnte. Natürlich muss er irgendwann auch aufs Klo.

Vor allem aber fühlt er sich bemüßigt, das Bühnengeschehen zu kommentieren. Von dort kommt er dann auf das Leben im Allgemeinen und schließlich auf das seine im Besonderen. Haller hat diesen Ausführungen wenig entgegenzusetzen. Sein gelegentliches Aufbegehren erschöpft sich in fiktiven Äußerungen, die er „zur Seite“ spricht. Ansonsten muss man sich an seine Mimik halten. Auf ihr zeichnet sich die ganze Qual ab, die er innerlich durchleidet.

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Die nächsten beiden Vorstellungen sind am 10. und 11. Mai (Freitag und Samstag) um jeweils 20 Uhr im Kammertheater Kleiner Bühnenboden, Schillerstraße 48a. Karten online: www.derkleinebuehnenboden.de

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