Examenskonzert von Jeung Beum Sohn
Furios, rauschhaft und mitreißend

Münster -

Sein Ruf war Jeung Beum Sohn wohl vorausgeeilt. Die Aasee-Aula war bis unters Dach gefüllt, als der junge Koreaner sein Examenskonzert spielte. Von einem, der bereits den ersten Preis des hoch renommierten ARD-Musikwettbewerbs gewonnen hat, erwartet man natürlich pianistische Spitzenklasse – die Sohn dann auch rauschhaft präsentierte.

Sonntag, 05.05.2019, 17:12 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 18:16 Uhr
Auch Münsters ehemaliger GMD, Fabrizio Ventura (Mitte r.), war begeistert von Jeung Beum Sohns virtuosem Spiel.
Auch Münsters ehemaliger GMD, Fabrizio Ventura (Mitte r.), war begeistert von Jeung Beum Sohns virtuosem Spiel. Foto: zin

Der Student aus der Hochschulklasse von Prof. Arnulf von Arnim riss den Saal zu Begeisterungsstürmen hin, und das legendäre Rachmaninow-Klavierkonzert Nr. 2 war für ihn maßgeschneidert. Auch das Orchester der Musikhochschule präsentierte sich in toller Form – zumal Fabrizio Ventura am Pult stand. Münsters ehemaliger GMD hatte früher bereits bewiesen, was er aus diesem Orchester herausholen kann. Das zeigten die Hochschul-Eleven auch bei Alexander Borodins zweiter Sinfonie, die den mitreißenden Schluss des Abends bildete.

Bei Rachmaninow zeigte sich das Orchester gut präpariert, vor allem die Streichergruppe spielte das melancholische Sehnen des notorischen Moll-Komponisten süffig aus. Musste sie auch, so leidenschaftlich und virtuos, wie Jeung Beum Sohn den rauschhaft glitzernden Klaviersatz zum Funkeln brachte.

Kühn warf sich der Solist auf das Schlachtross. Die klare Prägnanz von Sohns Anschlag und die Reife seines Vortrags ließen eher an einen erfahrenen Meistervirtuosen denken als an einen Klavierstudenten. Verblüffend: Gerade das heikle Adagio sostenuto, wo so mancher am Kitsch entlang schrappt, geriet fabelhaft. Sohn holte den emotionalen Kern schnörkellos hervor, immer nach vorn drängend, so dass das Orchester mitgerissen wurde – bis hin zum ekstatischen Klirren der Diskant-Triller. Chapeau!

Ventura und das Hochschulorchester blieben beim russischen Repertoire. Die zweite Borodin-Sinfonie steht für das berühmte „mächtige Häuflein“ jener fünf Komponisten, denen Tschaikowsky zu „westlich“ klang. Und Ventura verlangte dem Orchester furiose Tempi ab, die auch gemeistert wurden. Am Anfang war noch das „Märchen-Poem“ der 87-jährigen Russin Sofia Gubaidulina erklungen, die heute in Deutschland lebt. Viel illustrative Dissonanzen, die tatsächlich eine faszinierend märchenhafte Stimmung schufen.

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