Theater stellte im U2 den Theaterstreit „Ein König zu viel“ vor
Bis das Ego auf der Wippe kippt

Münster -

Ein König ist oben – alles andere unten. Dies Problem ist so groß wie die Weltkugel, das müssen auch König Karl und König Fritz feststellen, die auf einer einsamen Insel gestrandet sind. Der „Theaterstreit“ von Gertrud Pigor („Für alle ab vier Jahren“) um zwei Exzellenzen der besonderen Art (Regie: Frank Röbke) hatte jetzt im U2 Premiere.

Montag, 06.05.2019, 18:16 Uhr
Carolin Wirth (König Karl) und Rose Lohmann (König Fritz) spielten das Hickhack zweier Egomanen.
Carolin Wirth (König Karl) und Rose Lohmann (König Fritz) spielten das Hickhack zweier Egomanen. Foto: Oliver Berg

Eine auf dem Boden ausgebreitete sandgelbe Decke, ein schwebendes Segeltuch, Muschelketten, eine Minipalme, Eimer, Kissen, eine Wippe und Rettungsringe, im Hintergrund sanftes Rauschen – fertig ist die „Einsame Südseeinsel“ (Bühne & Kostüme: Sophia Debus ). Mit dickem Bauch stehen zwei Damen in der Gegend herum, als hätten sie was verloren: Richtig! Ihre Kronen. Schnell wird sich zum König ausstaffiert, der bunte Mantel übergeworfen, die Krone zentimetergenau auf dem Kopf platziert. Aber wer hat jetzt hier das Sagen? „Das hier ist meine Insel!“, brüllen sie perfekt synchron, damit keiner ein Wort oder sich selbst versteht. Die Könige kochen (vor Wut), rufen: „Taxi!“ und, als nichts sich blicken lässt, schon zerknirschter: „Kutsche . . .?“

Auftrumpfen, auch wenn weit und breit kein Trumpf zu sehen ist, zählt zur Grundausstattung aller Könige: „Hier ist ein König zu viel!“. Die Minister sollen es regeln, sind aber anscheinend untergegangen. Bleibt das darwinistische Urmodell „Mann gegen Mann“. Nach ergebnislosem Box-, Ring-, und Fechtkampf landet man bei „Schnick – Schnack – Schnuck“: unentschieden. Zwei Könige sind auch nur zwei Menschen ohne Schiedsrichter.

Carolin Wirth (König Karl) und Rose Lohmann (König Fritz) spielten das Hickhack zweier Egomanen mit einer darstellerischen Brillanz, die blitzartige Stimmungswechsel ebenso sichtbar machte wie die Pointen sprachlicher Nuancen hörbar. Kam es zum Gesangswettstreit um die wahre Königswürde, kollerten Koloraturen wie Königsberger Klopse durch die Kehle, mit artistischer Vehemenz lag man sich in den Haaren, plumpste wie Fallobst zu Boden oder haute sich Fische auf den Po. Protest vom fachkundigen Publikum unter sechs: „Das darf man nich’!“

Dann läuft König Fritz vor die Wand, verliert sein Gedächtnis, und König Karl ist ihm bei der Berufswahl behilflich: „Du bist mein Diener Fritz!“ Wenig später ereilt Karl das gleiche Schicksal – und nun sind die Gleichen zum ersten Mal gleich. Man schaukelt auf einer Wippe wie die Kinder und singt zum Klang einer Minigitarre leise Lieder: Als Chef ist man einzig, als Mensch aber einzigartig. Stücke wie diese lassen besorgte Helikoptereltern-Sorgen auf Flohgröße schrumpfen: „Ab wann sollen Kinder ins Theater?“ Sofort!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6593539?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Preußen angeln sich Luca Schnellebacher aus Aalen – Warschewski muss gehen
Wachablösung: Luca Schnellbacher (l.) stürmt
Nachrichten-Ticker