Ausstellungshalle Hawerkamp: Evgeny Mitta über die „Gescheiterte Revolution“
Kultur trotzt Übermacht

Münster -

Die Russen hatten nicht soviel Glück wie die Deutschen mit Gorbatschow. Die Russen hatten Putin. „2012. Gescheiterte Revolution“ heißt die Multimedia-Installation des Moskauer Künstlers und Regisseurs Evgeny Mitta.

Donnerstag, 09.05.2019, 16:58 Uhr
Der Künstler Evgeny Mitta zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine Multimedia-Installation „Moskau 2012. Gescheiterte Revolution“. Riesige Polizei-Puppen schweben unter die Decke.
Der Künstler Evgeny Mitta zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine Multimedia-Installation „Moskau 2012. Gescheiterte Revolution“. Riesige Polizei-Puppen schweben unter die Decke. Foto: Kirsten Mühlbach

Die Russen hatten nicht soviel Glück wie die Deutschen mit Gorbatschow. Die „Friedliche Revolution“ der Ostdeutschen brachte ihnen die Demokratie, der „Marsch der Millionen“ den Russen keine Wende. Die Russen hatten Putin. „2012. Gescheiterte Revolution“ heißt die Multimedia-Installation des Moskauer Künstlers und Regisseurs Evgeny Mitta , der auf dem Kulturgelände Hawerkamp nicht nur ein differenziertes Bild aus der Sicht der Protestierenden, sondern auch ein Gefühl vermittelt: Bedrohung.

Unter der hohen Decke der Ausstellungshalle lauern schwebend Polizisten. Der Schlagstock zeigt: Hier schützt nicht „dein Freund und Helfer“, hier zeigt die Obrigkeit, wo der Hammer hängt. Evgeny Mitta verweist damit auf eine in Russland über Jahrhunderte gewohnte Bedrohung durch staatliche Willkür. Seine Installation allerdings baut nicht das „System Putin“ als Popanz auf. Der Künstler zeigt ein differenziertes Bild, vermittelt auch die „Unreife der Zivilgesellschaft“ als eine Ursache des Scheiterns, wie er im zur Ausstellung erschienenen Katalog schreibt.

Der geschichtliche Hintergrund: In den Jahren 2011/2012 finden in Moskau die größten Massendemons­tra­tionen der postsowjetischen Geschichte statt. Im September 2011 erklärt Putin seine Kandidatur zur dritten Amtsperiode als Präsident, Wahlfälschungen begleiten die Duma-Wahlen im Dezember. „Zum ersten Mal wehrt sich die Zivilgesellschaft gegen die Lügen und Manipulationen des Systems der Macht. Das System reagiert mit patriotischer Machtdemonstration, der Annexion der Krim, dem Krieg im Donbass, maximaler Kontrolle der Medien, Repressionen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Den historischen Moment des Scheiterns hat Mitta miterlebt und mit Kameramann Wladimir Kanareikin mitgefilmt. Mitta hat Szenen der Protestbewegung in Bilder übertragen, die wie das ­Storyboard eines Films wirken, und auch von den kulturellen Räumen erzählen, die der Protest ermöglicht und geöffnet hat. Im Kontext der Ausstellung wirkt dies, als trotze die Kunst der Übermacht des unadeligen Zaren und seiner Oligarchen.

Auf der anderen Seite der Wand sind acht Monologe von acht Teilnehmern der „Gescheiterten Revolution“ zu sehen. Sie berichten mit fünf Jahren Abstand, was ihr Protest mit ihnen gemacht hat: „Die Leute wollten mehr Luft zum Atmen“; „Wir haben es einfach nicht hinbekommen“, „Ich bin desillusioniert“. In Deutschland zeigt diese Installation, wie glücklich und langwierig die Entwicklung und daher wertvoll eine Zivilgesellschaft wie die deutsche ist.

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Die Ausstellungiam Hawerkamp, Hawerkamp 31, ist bis zum 19. Mai zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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