Pfarrer Thomas Frings
Wunsch nach etwas Heilendem

Münster -

Vor drei Jahren hat sich Thomas Frings aus Münster verabschiedet. Jetzt kehrte der ehemalige Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde zurück, um aus seinem neuen Buch „Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn“ zu lesen. Er gab persönliche Antworten auf Fragen nach dem Glauben.

Samstag, 11.05.2019, 06:00 Uhr
Thomas Frings spricht in der Buchhandlung Poertgen-Herder über seinen Glauben an Gott. Für berechenbar hält er diesen nicht: „Irgendwie funktioniert Gott nicht so.“
Thomas Frings spricht in der Buchhandlung Poertgen-Herder über seinen Glauben an Gott. Für berechenbar hält er diesen nicht: „Irgendwie funktioniert Gott nicht so.“ Foto: Vera Szybalski

Thomas Frings ist zurück in Münster. Nicht als Pfarrer, sondern für eine Lesung. Fast zwei Stunden lang spricht der ehemalige Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde über seinen Glauben, Gott und die Kirche. Er gibt persönliche Antworten auf drei Fragen: Warum glaube ich überhaupt? Was ist es, was ich glaube? Und in welcher Form zeigt sich das in meinem Leben? Frings betont gleich zu Beginn: „Das sind meine Antworten. Ihre können anders sein.“

Vor drei Jahren machte Frings mit seinem Abschied aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde Schlagzeilen. In einem langen Facebook-Post erklärte er, warum er die Gemeinde verlässt. Frings zweifelte daran, dass der Weg zukunftsweisend ist, den er als Gemeindepfarrer gegangen ist. Er verbrachte ein Jahr in einem niederländischen Kloster, schrieb einen Bestseller mit dem Titel „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ und lebt und arbeitet mittlerweile in Köln. Mit seinem zweiten Buch „Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn“ war Frings bei Poertgen-Herder zu Gast.

Rund 125 Menschen wollen Frings hören

Zurück in Münster trifft Frings auf bekannte Gesichter. Ein Nicken hier, ein kurzer Gruß da, als Frings die Stuhlreihen abschreitet, um sich vor seinem Publikum zu platzieren. Der Raum ist voll, die Veranstaltung ausverkauft. Rund 125 Menschen wollen hören, was Frings zu sagen hat. Er liest nicht vor, sondern spricht frei und wird persönlich.

Nach seinem Vortrag und anschließender Diskussion unterschreibt Thomas Frings Exemplare seines neuen Buchs.

Nach seinem Vortrag und anschließender Diskussion unterschreibt Thomas Frings Exemplare seines neuen Buchs. Foto: Vera Szybalski

Frings liefert drei Gründe, warum er glaubt. Das ist erstens die Hoffnung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt: „Ich wünsche mir eine Wiederbegegnung“, sagt Frings über die Menschen, die ihm etwas bedeuten. Das ist zweitens der Wunsch, dass es einen Gott gibt, der heilt angesichts der Fehler, die Menschen machen. „Ich will nicht, dass er sagt: ‚Schwamm drüber‘, aber ich wünsche mit etwas Heilendes.“ Und drittens ist es Frings’ Bedürfnis nach Liebe.

Irgendwie funktioniert Gott nicht so, dass er sich berechnen lässt.

Thomas Frings

Seine Ansichten untermalt Frings häufig mit persönlichen Geschichten, fast immer aus der Familie. Frings glaubt an Gott und daran, dass Gott nicht berechenbar ist. Das erklärt er mit einer Anekdote von einer Reise. Trotz Todesangst habe er nicht gebetet, als er von Hyänen bedroht wurde. „Irgendwie funktioniert Gott nicht so, dass er sich berechnen lässt“, sagt Frings und spielt damit auf den Buchtitel an.

Die Zahl der Katholiken in der Gesellschaft wird immer geringer. Angesichts dessen empfindet Frings, dass „wir langsam begründen müssen, warum wir noch glaubende Menschen sind“. Die Kirche wünscht er sich als „Geburtshelfer für den Glauben“: „Die Kirche soll ein Ort sein, in dem ich auch Glauben lernen darf.“ Der Glaube wird nicht mehr so stark wie früher in der Familie und dem sozialen Umfeld tradiert: „Die kulturelle Prägung in unserer Gesellschaft ist reichlich verdunstet.“ Als Kulturpessimisten sieht er sich nicht: „Das ist Kulturrealismus.“

Wandel der Kirche ist nötig

Die Aufgabe, Rede und Antwort zu stehen, wenn nach Hoffnung gefragt wird, sieht er aber nicht nur bei Pastoren: „Wir als Getaufte werden erst wirken können, wenn man uns fragt.“ Beim Abendessen vor der Lesung habe er ein Tischgebet gesprochen. Sein Wunsch: „Lebe so, dass du danach gefragt wirst“, sagt Frings in Bezug auf den Glauben.

Frings hält es weiter für notwendig, dass sich die Kirche wandelt. Sein Pfarrteam in der Kölner Innenstadt beginne nun, nicht mehr überall das Gleiche zu machen, sondern nach neuen Formen zu suchen: „Ich denke nicht mehr vom Sonntagmorgen her.“ Er weiß aber auch, dass es nicht leicht ist, etwas zu ändern.

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