„Orgelkonzerte in der Osterzeit“ mit Domorganist Thomas Schmitz
Die klingende Pracht der Grande Nation

Münster -

Würde jede Musik Bilder beschwören, wäre die Welt der Klänge ein Abenteuerspielplatz. Die Orgelsymphonien von Charles Marie Widor (1844-1937), mitunter zwischen Pomp, improvisatorischem Fluidum und strenger Kontrapunktik lavierend, könnte man ehrfurchtslos zwischen Spektakel und Heiligenlegende verorten. Für die „Orgelkonzerte zur Osterzeit“ hatte Thomas Schmitz ein Grandioso-Opus des französischen Orgelpapstes in den Mittelpunkt gestellt, als konzertantes Entrée aber „Toccata, Fugue et Hymne sur Ave maris stella“ op. 28 des belgischen Komponisten Flor Peeters (1903-1986) gewählt.

Sonntag, 12.05.2019, 16:36 Uhr aktualisiert: 15.05.2019, 19:06 Uhr
Thomas Schmitz ließ den Dom mit Widors sechster Orgelsymphonie erzittern.
Thomas Schmitz ließ den Dom mit Widors sechster Orgelsymphonie erzittern. Foto: Julia Geppert / Bistum Münster

Imperial das Thema im Bass, klar und präzise die vorüberrauschenden Filigran-Skalen: Unter Schmitz’ Händen wirkte Peeters’ Musik fabelhaft leicht, von federnden Impulsen und einer intro­spektiven Aura erfüllt bis hin zum Aufschwung finaler Akkord-Alpen. Der Domorganist betonte mit leichter Hand die tänzerische Gestik der Fuge, die wie atmosphärisch angelehnt an Bachs weihnachtliche Sinfonia wirkte, fast eine heile Welt selbstgewisser Glaubenszuversicht. Die Steigerungsdramaturgie der Fuge führte in den von Schmitz nobel gespielten Hymnus über, dessen voluminöse Dynamik sich – haarscharf – heroischer Verausgabung verwehrt. In der folgenden Improvisation über die gregorianische Communio „Ich bin der gute Hirt“ schien der Kirchenraum in seiner unmittelbaren Präsenz allzu große Gesten zu relativieren – kühne Augenblicksmusik.

Es ist, als mobilisiere Widors 1887 komponierte Orgelsymphonie Nr. 6 in g-Moll ein märchenhaftes Porträt architektonischer Pracht und kaiserlicher Attitüde Frankreichs. In dieser siegessicheren Musik scheint schon in der vollgriffigen Akkordik des Kopfsatzes die „Grande Nation“ aufzutrumpfen. Der Interpret ließ Orgel und Dom erzittern – was hätte er sonst tun sollen? – um vom „Recitativo“- Abschnitt an die musikalische Strömung auf das sporadisch auftauchende Eingangsthema wie auf einen neu entdeckten Archipel zu lenken. Im meditativen Adagio vermochte Schmitz den kantablen Grundton der kleinteiligen Rhythmik stringent zu artikulieren, das Intermezzo flog federleicht vorüber – als provoziere der teils pianistische Stil der Partitur ein kapriziöses, beinahe bohèmehaftes Element dieser Musik. Der philosophische Touch des vierten Satzes „Cantabile“ verströmte noble Tiefe, das Finale feierte in Schmitz’ Deutung über weite Strecken geradlinige Triumphe, das Anfangsthema kehrte wie in einem Krönungszug wieder, als würden Bestrebungen felsenfester Tonalität ewigen Werten gelten – fantastisch! Herzlicher Beifall.

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