Tanz NRW: Raimund Hoghe im Pumpenhaus
Wie zwei italienische Diven

Münster -

Die Zuschauer im Pumpenhaus nehmen noch ihre Plätze ein, da ist Raimund Hoghe schon unterwegs. Ein kleines Wasserbecken mit einem Holzschiff in der Hand, schreitet er Wege ab, die nur er kennt. Als ein Jubelgesang aus den „Carmina Burana“ anhebt, weicht er Schritt für Schritt zurück und gibt so die Bühne frei für Ornella Balestra.

Donnerstag, 16.05.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 15:46 Uhr
Ornella Balestra und Raimund Hoghe im „Canzone per Ornella“
Ornella Balestra und Raimund Hoghe im „Canzone per Ornella“ Foto: Rosa Frank

Die Zuschauer im Pumpenhaus nehmen noch ihre Plätze ein, da ist Raimund Hoghe schon unterwegs. Ein kleines Wasserbecken mit einem Holzschiff in der Hand, schreitet er Wege ab, die nur er kennt. Als ein Jubelgesang aus den „Carmina Burana“ anhebt, weicht er Schritt für Schritt zurück und gibt so die Bühne frei für Ornella Balestra . Mit ehrerbietig erhobenen Händen steht er vor der schwarz gekleideten Frau in hochhackigen Schuhen, die ihn einen ganzen Kopf überragt und schließlich mit elegant ausgreifenden Armbewegungen zu tanzen beginnt.

„Canzone per Ornella“ ist eine feinsinnige Hommage an die italienische Tänzerin Ornella Balestra. Hoghe hat mit ihr früher schon zusammengearbeitet. „Tanzgeschichten“, „Swan Lake“ oder „La Valse“ sind gemeinsame Werke, auf die sie sich auch in diesem Stück beziehen. Im Vordergrund steht dabei Balestras Tanz mit den Armen, der ein breit gefächertes Vokabular abdeckt. Mal erscheint sie leicht wie ein Schmetterling, dann wieder nimmt sie hochdramatische Posen ein – alles wirkungsvoll in Szene gesetzt mit einem Soundtrack, bei dem Leonard Bernstein oder Chavela Vargas ebenso zu Wort kommen wie Marlene Dietrich oder Judy Garland.

Hohges choreographischer Minimalismus schafft eine ideale Infrastruktur für Stimmungen und Bilder. Nichts ist spektakulär, aber alles spricht den Zuschauer unmittelbar an. In einer Szene sitzen er und Balestra wie zwei italienische Diven mit Sonnenbrille und Kopftuch auf der Bühne und lauschen der Musik, um dann unvermutet mit einem heißen Twist Bewegung ins Spiel zu bringen. In einer anderen Szene tanzt Balestra selbstvergessen zu den weichen Klängen der Musik, während Hoghe mit großer Sorgfalt den Schal aufwickelt, den sie vorher um den Hals getragen hat. Deutlicher kann man Verehrung nicht zum Ausdruck bringen.

Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es aber auch amüsante Passagen. Etwa dann, wenn die Tänzerin die Arme ihres Partners wie die einer Marionette führt, um ihm den Armtanz beizubringen, und Hoghe sich dabei wie ein beflissener, aber ungeschickter Schüler gebärdet. Und es gibt einen Appell, der über die Kunst hinausführt, wenn Hoghe einen Brief von zwei afrikanischen Jugendlichen vorliest, die bei der Flucht nach Europa als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs ums Leben gekommen sind.

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