Tanz NRW: „Phobos“ thematisiert Gewalt gegen Frauen
Aus Angst wird Wut und Mut

Münster -

Es ist keine schöne Musik, die Michio Woirgardt an seinen Geräten produziert. Düstere elektronische Klänge durchdringen den Raum, punktiert von harten, schneller werdenden Schlägen. Entsprechende Mühe haben die fünf Tänzerinnen, sich damit zu arrangieren. Jede für sich kauern sie auf der Bühne, versuchen sich aufzurichten und werden niedergepeitscht vom erbarmungslosen Soundtrack.

Freitag, 17.05.2019, 19:14 Uhr
Phobos ist in der griechischen Mythologie der Gott der Angst. Und so heißt auch die Choreographie von Maura Morales.
Phobos ist in der griechischen Mythologie der Gott der Angst. Und so heißt auch die Choreographie von Maura Morales. Foto: Klaus Handner

Es ist keine schöne Musik, die Michio Woirgardt an seinen Geräten produziert. Düstere elektronische Klänge durchdringen den Raum, punktiert von harten, schneller werdenden Schlägen. Entsprechende Mühe haben die fünf Tänzerinnen, sich damit zu arrangieren. Jede für sich kauern sie auf der Bühne, versuchen sich aufzurichten und werden niedergepeitscht vom erbarmungslosen Soundtrack. Dann rotten sie sich zusammen, bilden einen vielgliedrigen Haufen Mensch und kommen schließlich hoch, um wütend um sich zu schlagen. Wobei schwer auszumachen ist, ob sich ihre Aggression nach außen oder gegen sich selbst richtet.

Phobos ist in der griechischen Mythologie der Gott der Angst. Nach ihm hat die kubanische, in Düsseldorf lebende Choreographin Maura Morales ihre Tanzperformance benannt, die am Donnerstag im Rahmen von Tanz NRW in Pumpenhaus zu sehen war. Sie habe ein Stück über Angst machen wollen, sagt Morales. Herausgekommen sei ein Stück über Mut. Und zwar den Mut von Frauen, sich sexualisierter Gewalt entgegenzustellen.

In der Praxis ist diesem Mut eine gehörige Portion Wut beigemischt. Das macht „Phobos“ nicht nur zu einem dynamischen und energiegeladenen Stück Tanztheater, sondern auch zu einer Anklage gegen Männer, die Frauen als Freiwild betrachten. Bewusst provokativ sind die Gesten der Tänzerinnen, wenn sie breitbeinig vor den Zuschauern stehen und sich an die Brüste fassen. Provokativ sind auch die Textpassagen, in denen es um ein von Männern auferlegtes Schönheitsdiktat geht, das dazu führe, dass Frauen ihren Körper als Feind begreifen. Von einer Angst in den Genen spricht eine der Tänzerinnen und wird dann von dieser Angst gnadenlos über die Bühne geschleudert, während ihre Kolleginnen sie wie zum Hohn in einem gefälligen Disco-Takt umtanzen.

Morales und ihre Kompanie schenken sich nichts, wenn es darum geht, ausdrucksstarke Bilder für Übergriffigkeit zu finden. Eine Szene zeigt zwei ineinander verkeilte Tänzerinnen, von denen eine mit den Füßen gierig nach Gesicht und Brüsten der anderen grapscht. Parallel dazu gibt es immer wieder Momente, in denen sich alle zu einer Gruppe formieren. Kraftvolle und perfekt aufeinander abgestimmte Bewegungen bestimmen dann das Bild und lassen die Akteurinnen unbesiegbar erscheinen.

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