Johannes Trümpler im Dom
Für Liebhaber von Klangbädern

Münster -

Der Organist ließ auf sich warten. Etliche Minuten nach halb acht war von Johannes Trümpler, Domorganist in Dresden, noch nichts zu sehen.

Sonntag, 19.05.2019, 17:12 Uhr
Johannes Trümpler
Johannes Trümpler Foto: Arndt Zinkant

Der Organist ließ auf sich warten. Etliche Minuten nach halb acht war von Johannes Trümpler , Domorganist in Dresden, noch nichts zu sehen. Das gab dem münsterschen Kollegen, Domorganist Thomas Schmitz , die Gelegenheit, auf Trümplers letztes Konzert in Münster vor zwei Jahren zu erinnern: Selbst die Geräuschkulisse einer Vorbereitungsveranstaltung zum Katholikentag habe den Kollegen seinerzeit nicht gehindert aufzutreten.

Nach einer guten Viertelstunde klärte sich alles auf: Johannes Trümper hatte die Anfangszeit irrtümlich auf acht Uhr veranschlagt. Als der Interpret sich dann an die Domorgel setzte, verlangte er den Zuhörern ein Programm ab, das sich beinahe ganz auf die Klangwelt des 20. Jahrhunderts konzentrierte, die französische vor allem. Kein Konzert für „normale“ Orgelfreunde – eher für echte Aficionados, die von aufregenden, teils bizarren Klangbädern nicht genug bekommen können.

Und Trümpler ist der rechte Mann dafür; einer, der mit Wonne die Akkordblöcke schiebt und schichtet – in immer neuen Kaskaden. Olivier Messiaen war natürlich vertreten, mit drei Stücken aus „Corps Glorieux – die verherrlichten Leiber“. Außerdem erklangen drei Tänze („Trois Danses“) von Jehan Alain (1911-1940). Die Tänze von Alain umfassten die Teile „Freuden, Trauer, Kämpfe“ und setzten anfangs auf Reizakkorde, die in durchaus subtilen Abschattierungen daherkamen, um am Ende in volltönenden, doch rhythmisch behäbigen Galopp zu verfallen.

Dass Messiaens Musik sowohl rauschhafter als auch sakraler klang, überraschte nicht. Die „Wasser der Gnade“ klangen bei aller Dissonanzen-Würze klar und rein. Bei „Joie und Clarté des Corps Glorieux“ hingegen hörte man durchaus impressionistische Farbenpracht, die zwischen Arpeggio und Glissando hin und her wogte. Wie Debussy mit Weihrauch.

Das gesamte Konzert schien immer wieder von jenem düsteren Gewölk durchzogen, das die Orgel-Avantgarde nun einmal offeriert. Bei „Exultacion: Alleluia, Cristo Resucitó“ des Zeitgenossen Bernardo Juliá mündete all dies in ein triumphales Fortissimo, das sakrale und moderne Klangsprache überzeugend verband.

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