Poetischer Antiterroranschlag des „Stadtensembles 24h“
Lyrik war „richtig klasse!“

Münster -

„Ich nahm Dir die Kette der Sprüche vom Hals und säumte mit ihr den Tisch“ oder „Einen russischen Garten will ich, in einem anderen Jahrhundert“ oder „In zwei Stunden passiert ein Verbrechen, du gutmütiger Soldat“. Solche Sätze haben ein anderes Kaliber als „Entschuldigung, wo geht’s hier zum Bahnhof?“

Sonntag, 19.05.2019, 17:14 Uhr
Das Stadtensemble des poetischen Antiterroranschlags (v.l.): Stefan Naszay, Benedikt Thönes, Tilmann Rademacher, Thomas Nufer, Ulrike Knobloch, Gabriele Brüning, Carola von Seckendorff, Philine Bamberger, Oliver Pauli, Lena Bodenstedt, Marc Hesse und Johanna Kollet. Das neue „Stadtensemble 24h“ sorgte mit seinem „poetischen Antiterroranschlag“ im Rahmen von „Poetry“ für lyrische Furore – zum Beispiel Carola von Seckendorff und Ulrike Knobloch (v.l.) in einem Schuhladen (kl. Bild).
Das Stadtensemble des poetischen Antiterroranschlags (v.l.): Stefan Naszay, Benedikt Thönes, Tilmann Rademacher, Thomas Nufer, Ulrike Knobloch, Gabriele Brüning, Carola von Seckendorff, Philine Bamberger, Oliver Pauli, Lena Bodenstedt, Marc Hesse und Johanna Kollet. Das neue „Stadtensemble 24h“ sorgte mit seinem „poetischen Antiterroranschlag“ im Rahmen von „Poetry“ für lyrische Furore – zum Beispiel Carola von Seckendorff und Ulrike Knobloch (v.l.) in einem Schuhladen (kl. Bild). Foto: David Luys

„Ich nahm Dir die Kette der Sprüche vom Hals und säumte mit ihr den Tisch“ oder „Einen russischen Garten will ich, in einem anderen Jahrhundert“ oder „In zwei Stunden passiert ein Verbrechen, du gutmütiger Soldat“. Solche Sätze haben ein anderes Kaliber als „Entschuldigung, wo geht’s hier zum Bahnhof?“ Solche Sätze stammen von Paul Celan, Cees Nooteboom, Aref Hamza. Und mit solchen Sätzen „attackierte“ das münsterische „Stadtensemble 24h“ am Samstag die arglosen Passanten auf der Salzstraße mit ihrem „poetischen Antiterroranschlag“.

Jeder der ein Dutzend Schauspieler hatte ein gewisses Grundrepertoire an poetischen Versen oder ganzen Gedichten, von hoher Poesie bis Dada, mit dem er die Menschen zu berühren suchte. Die Sprecher mischten sich unter die Leute, setzten sich in Cafés oder schienen Schuhe kaufen zu wollen, um dann plötzlich ihre Verse zu deklamieren. Einige von ihnen waren als Gruppe unterwegs, sangen zusammen und zogen so die Blicke auf sich.

Die Passanten waren überrascht: „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Julia Anna Weiß, die sah, wie Carola von Seckendorff und Ulrike Knobloch vor der Dominikanerkirche auf dem Boden saßen und sich die Verse zuriefen. „Ich fand das toll, und meinen Kindern hat es auch gut gefallen.“ Auch Matthias Rensing war von der Situation angetan: „Da ist das Rezitieren von Gedichten so nah am Theater, richtig klasse!“

Margret und Annalena Gruner, die von Knobloch und von Seckendorff angesprochen worden waren, zeigten sich ebenfalls begeistert: „Das war so schön, als wenn man viele Komplimente auf einmal bekommt!“ Margret Gruner kann selbst ein Gedicht aufsagen, das Münsteranern wohlbekannt ist: „Dat Pöggsken“ von Augustin Wibbelt. Und „Renate aus Hannover“, die lediglich die Stadt besichtigen wollte, war von der ungewohnten Poesie angetan: „Das war sehr angenehm, und auch der Typ war sympathisch. So ein schönes Erlebnis bei dem Wetter – ich glaube, ich komme bald wieder!“

Auch bei den Künstlern selbst schien die Aktion gut anzukommen. „Ich fand’s herrlich, das können wir gerne wieder machen“, lachte Gabriele Brüning: „Irgendwann bildet sich eine kleine Traube um einen herum, und das macht dann richtig Freude.“ Mit strahlendem Gesicht freute sich Stefan Naszay über die positiven Reaktionen: „Einige sagen erst, sie haben leider keine Zeit, um zuzuhören, bleiben dann aber durch die Lyrik doch stehen.“

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Das „Stadtensemble 24h“ wird auch am Montag und Mittwoch (20. und 22. Mai) von 15 bis 17 Uhr in der Innenstadt mit Lyrik und Poesie für schöne Unruhe sorgen.

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