Vorführung im Schloßtheater
Sandra Maischberger stellt den Film „Nur eine Frau“ vor

Münster -

Der Spielfilm „Nur eine Frau“ von Sherry Hormann erzählt das Drama von Hatun Aynur Sürücü die 2005 auf offener Straße von ihrem Bruder erschossen wurde. Produzentin Sandra Maischberger stand im Schloßtheater in Münster für Fragen des Publikums zur Verfügung.

Sonntag, 26.05.2019, 18:44 Uhr aktualisiert: 26.05.2019, 19:25 Uhr
Sandra Maischberger im Schlosstheater Münster: Die Fernsehjournalistin hatte den Kinofilm „Nur eine Frau“ produziert. Dieser schildert das Schicksal einer jungen Türkin, die 2005 wegen der „Familienehre“ von ihrem eigenen Bruder erschossen wurde.
Sandra Maischberger im Schlosstheater Münster: Die Fernsehjournalistin hatte den Kinofilm „Nur eine Frau“ produziert. Dieser schildert das Schicksal einer jungen Türkin, die 2005 wegen der „Familienehre“ von ihrem eigenen Bruder erschossen wurde. Foto: Moseler

Sie sitzen in den Stühlen des Frisiersalons wie Könige, während ihnen der Dreitagebart nach klassischer Manier rasiert wird: mit Rasiermesser und viel Schaum. Sie machen sich fein für die Hochzeit: „Erst mal feiern sie, dass ich den Besitzer wechsle.“

Die Stimme aus dem Off gehört Hatun Aynur Sürücü (alias Almila Bagriacik) die 2005 in Berlin auf offener Straße von ihrem Bruder Nuri erschossen wurde. Der Spielfilm „Nur eine Frau“ von Sherry Hormann erzählt dieses Drama noch einmal – aus der Perspektive des Opfers. Produzentin Sandra Maischberger stand im Anschluss an die Vorführung im Schloßtheater in Münster für Fragen des Publikums zur Verfügung.

In der rigide gelebten Tradition einer muslimischen Familie bestimmen die männlichen Mitglieder über Sein und Nichtsein. Nachdem die 16-jährige Hatun einen Verwandten in Istanbul heiraten muss, steht sie kurze Zeit später wieder vor der Berliner Wohnung – misshandelt und hochschwanger. Nun aber gilt sie als Schandfleck für die „Familienehre“, wird von ihren Brüdern terrorisiert und vom jüngsten schließlich umgebracht.

Plädoyer für die Gleichwertigkeit aller Religionen

Ob sie an spezifische Zuschauer gedacht hätte, wurde Maischberger gefragt, die sorgfältig abwog: Der Film richte sich an ein bürgerliches ebenso wie an ein durch Migration geprägtes Publikum, letzteres sei aber für sie schon ein „blinder Fleck“ gewesen. Frauenrechte und Freiheit müssten grundsätzlich gelten, für Schüler sei dieser Film daher besonders wichtig, sagte Maischberger und wies auf ihre Kulturprojektarbeit an Schulen in ihrer Heimatstadt Berlin hin. Der unreflektierte Traditionalismus in ihrem Spielfilm spiegle auch die innere Zerrissenheit der Protagonisten. Nicht Religion stehe hier im Vordergrund, sondern Fanatismus, der in der Realität gezielt von „Predigern“ vorgegeben werde.

Der Film befasse sich zwar mit einem „alten“ Fall, aber „mit einem Thema, dessen Relevanz in unserer Zeit wieder an Brisanz gewonnen hat“, erklärte Maischberger und ergänzte, dass Entwicklungen bezüglich Selbstbestimmung, Heirat und Beruf zurückgegangen seien. Aus dem Publikum kam ein Statement der „Deutsch-türkischen Gesellschaft“ für einen „reformierten europäischen Islam“ und zugleich das Plädoyer für die Gleichwertigkeit aller Religionen.

Die aktuelle Lage der Türkei geriet ebenso ins kritische Zentrum der Diskussion wie die Tendenz Europas zu fundamentalistischer Ideologie. „Unsere Mitte aber heißt Moderne, Liberalismus und Laizismus“, bekräftigte Maischberger.

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