Auftakt mit Krause, Shapcott, Brassinga
Bildstarke Poesie

Münster -

Eine „Lyrikhasserin“ sei Anneke Brassinga ursprünglich gewesen, sagte Moderator Hermann Wallmann über seinen Gast – eine würdige „Vertretung“ für Cees Nooteboom, der absagen musste. Erst über ihre Arbeit als Übersetzerin habe sich die Niederländerin 1987 die lyrische Form angeeignet. Die Leidenschaft, welche aus anfänglicher Abneigung wurde, konnte das Publikum im Kleinen Haus erleben. Ein gelungener Auftakt des Lyrikertreffens.

Sonntag, 26.05.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 27.05.2019, 18:04 Uhr
Anneke Brassinga (links) und die deutsche Rezitatorin Anna Eble beim Lyrikertreffen
Anneke Brassinga (links) und die deutsche Rezitatorin Anna Eble beim Lyrikertreffen Foto: Zinkant

Neben Brassinga lasen vor der Pause nur Thilo Krause und die Engländerin Jo Shapcott . Die Veranstalter wollten die Marathon-Lesungen vergangener Jahre bewusst auf kürzere Hör-Strecken reduzieren. Das war ebenso zu begrüßen wie die wunderschönen „Poesie-Filme“, die auf der Leinwand Gedichtrezitation mit Animationen verbanden.

In punkto Bildstärke konnten die Gedichte von Brassinga ebenfalls begeistern. „Metamorphinistin“ sei die Dichterin schon genannt worden, so Wallmann – und auch die so Bezeichnete sprach wiederholt vom „Sucht“-Faktor, der im Dichten wie in der Sprache selbst liege. Bizarre Metaphern standen neben süffigen Lautmalereien, die sogar in der deutschen Übersetzung staunen machten. Brassinga machte dichterische Schlenker zur bildenden Kunst oder Musik; etwa, wenn sie ein Trio Joseph Haydns sprachlich nachempfindet – mit einem pompösen Metaphern-Strom, der Haydn ziemlich barock wirken lässt. Anna Eble sorgte für kultivierte Rezitation auf Deutsch.

Die Lyrik von Jo Shapcott, 66-jährige Professorin für kreatives Schreiben, hat in Jan Wagner einen renommierten Übersetzer, dessen Verse simultan auf der Leinwand erschienen. Während Shapcott sich die sprichwörtliche „Mad Cow“ satirisch anverwandelte, wurde ihr ein Bienenstock zum originellen Symbol: für Beziehung, Verlassenheit, Gesellschaft und die eigene Körperlichkeit.

Eröffnet hatte den Abend der 42-jährige Wirtschaftsingenieur und Dichter Thilo Krause, dessen kurze, prä-gnante Alltagsbeschreibungen sich hintergründiger gaben, als sie im ersten Moment erschienen.

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