NRW-Theatertreffen: Max und Moritz im Pumpenhaus
„Ein bisschen geschmacklos“

Münster -

Am Ende ihrer Streiche werden Max und Moritz zum Müller gebracht, der sie zu Schrot zermahlt und den Enten zum Fraß vorwirft. Hier steht diese Aktion gleich am Anfang.

Freitag, 31.05.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 31.05.2019, 18:40 Uhr
Die Kölner Performance-Gruppe Pulk Fiktion spielte im Rahmenprogramm des NRW-Theatertreffens „Max und Moritz“.
Die Kölner Performance-Gruppe Pulk Fiktion spielte im Rahmenprogramm des NRW-Theatertreffens „Max und Moritz“. Foto: Christian Herrmann

Am Ende ihrer Streiche werden Max und Moritz zum Müller gebracht, der sie zu Schrot zermahlt und den Enten zum Fraß vorwirft. Hier steht diese Aktion gleich am Anfang und erfolgt mit Hilfe einer Kaffeemühle, die Popcorn ins Publikum schleudert. Anschließend wird die Szene diskutiert. Der Schauspieler findet sie „ein bisschen geschmacklos“. „Ja“, meint seine Kollegin, „es fehlt Zucker“.

War der Humor bei Wilhelm Busch schon makaber – die Kölner Performance-Gruppe Pulk Fiktion setzt dem Ganzen noch eins drauf. Bei ihrem Auftritt im Pumpenhaus spielen sie die Streiche der beiden Lausbuben durch und konfrontieren die Zuschauer (ab acht Jahren) mit deren eigener Schadenfreude. So zumindest die Theorie. In der Praxis findet die Schadenfreude vornehmlich im Ensemble statt. Genauer gesagt bei Karoline Kähler und Clara Minckwitz als Max und Moritz, während Matthias Meyer eher die Opferrolle zugedacht ist.

Es ist was los auf der Bühne. Plastikhühner werden traktiert und ausgeweidet. Knallerbsen knallen, Wasserbomben platzen, Eier werden geworfen, Milch und Ketchup plätschert über den Boden – alles effektvoll unterlegt mit einem elektronischen Soundtrack, der auch die Stimmen der Darsteller ins Groteske verzerrt. Parallel dazu gibt es Szenen, die die Streiche hinterfragen. „Moralische Diskussion“ steht dann in Leuchtschrift über der Bühne. Wilhelm Busch selber kommt sogar zu Wort. „Waren andere Zeiten damals“, so seine fiktive Rechtfertigung. Er habe das halt „durchziehen wollen“ und würde es auch wieder so machen.

Das von Hannah Biedermann inszenierte Stück setzt auf Publikumsbeteiligung und lebt zu einem gewissen Teil auch davon. Immer wieder werden junge Zuschauer aufgefordert, auf die Bühne zu kommen, sich zum Geschehen zu äußern oder über eigene Streiche zu berichten. Das gestaltete sich am Donnerstag im Pumpenhaus allerdings etwas zäh, und mancher Freiwillige musste erst durch mehrmalige Aufforderung von seiner Freiwilligkeit überzeugt werden. Das mag an den mitunter doch recht makabren Aktionen auf der Bühne gelegen haben. Oder daran, dass Kinder vielleicht gar nicht so grausam sind, wie Wilhelm Busch sich das Mitte des 19. Jahrhunderts vorgestellt hatte.

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