Dresdener Chor Ad Libitum in der Clemenskirche
Heimspiel mit Uraufführung

Münster -

Die Clemenskirche mit ihrem Kuppel-Fresko katapultiert in reinste Glaubenseuphorie: Hier bleibt die Frage „Geistlich oder weltlich?“ nicht offen, die dem Kammerchor „ad libitum Dresden“ (laut Programmzettel) als Maxime diente. Unter der Leitung von Karsten Sprenger (früherer Chordirektor am Theater Münster) bot der Chor ein ungewöhnliches Programm zwischen Renaissance, Romantik – und Uraufführung!

Freitag, 31.05.2019, 16:40 Uhr
„Ad Libitum“ unter Leitung von Karsten Sprenger
„Ad Libitum“ unter Leitung von Karsten Sprenger Foto: Günter Moseler

Die Clemenskirche mit ihrem Kuppel-Fresko katapultiert in reinste Glaubenseuphorie: Hier bleibt die Frage „Geistlich oder weltlich?“ nicht offen, die dem Kammerchor „ad libitum Dresden“ (laut Programmzettel) als Maxime diente. Unter der Leitung von Karsten Sprenger (früherer Chordirektor am Theater Münster ) bot der Chor ein ungewöhnliches Programm zwischen Renaissance, Romantik – und Uraufführung! Anlass: Der 200. Geburtstag Fontanes , der mit der Uraufführung eines Liederzyklus‘ von Thorsten Schmid-Kapfenburg (Kapellmeister am Theater Münster) gewürdigt wurde.

Es begann mit einer „Missa breve“ von Gabrieli, deren zart gesponnene Linien der Chor mit einem schwebenden, glasklaren Klang einfing, der das Sphärische dieser Musik ebenso betonte wie die unprätentiöse Interpretation den beschwingten, fast eleganten Gestus dieser Musik. Der sanfte Nachhall hob alle Stimmen in helles Licht, die Polyphonie schien mühelos nachvollziehbar. Dagegen wirkten Brahms’ „Drei Gesänge a cappella“, als hätte ebendieser Nachhall ihrer weltlichen Tendenz einen Heiligenschein aufgesetzt. Gerade in tückischen Modulationen – etwa am Ende des ersten Teils von „Darthulas Grabesgesang“ – verschmolzen einzelne Passagen zu harmonischen Experimenten.

Schmid-Kapfenburgs „Sieben Lieder auf Gedichte von Theodor Fontane nebst Prolog und Epilog von Friedrich Martin Bodenstedt“ entpuppten sich als SMS-Aphorismen, die Fontanes Vergänglichkeitsapotheosen („Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen“) wie ins endgültig Ungewisse entgleiten ließen – in von Chromatik und Dissonanz ramponierter Tonalität. Vom Chor rhythmisch präzise und in klarer Diktion gesungen beleuchteten die acht Gedichte mit ruheloser Melancholie, die Weltabgewandtheit und Zukunftsausblick vereinte und so den modernen Weltzugriff Fontanes traf. „Es kribbelt und wibbelt weiter“, hieß ein Gedicht, und der Komponist (er-)fand zu den Zeilen („Es sicheln und mähen . . . die apokalyptischen Reiter / Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest / Es kribbelt und wibbelt weiter“) Töne von komödiantischer Lakonie, die Fontanes ironische Verkleinerungen kaum besser hätten treffen können. Er folgte die „Sorbische Messe“ von Jan Bulank, deren (sehr) sakralen Tonfall der Chor genüsslich zelebrierte und an die Gabrieli-Messe erinnerte – damit schloss sich der konzertante Kreis. Herzlicher Beifall.

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