Institut für chauvinistische Weiterbildung im Theatertreff
Dichterfürstin und Powermänner

Münster -

Es ist eine Art Hochgeschwindigkeitsprosa, mit der die Lesung beginnt. Von Geburt ist die Rede, Erziehung, Bewusstwerden des eigenen Ichs bei gleichzeitiger Zurücknahme desselben, Täter, Opfer, ein Schlag ins Gesicht, ein Gefühl und am Ende ein großes, kaltes Nichts. Der Text jagt förmlich dahin. Und dass er das Publikum mitnimmt, liegt auch am Vortrag. Gerhild Steinbuch ist Theaterautorin und weiß, wie man Worte setzt, damit sie wirken.

Freitag, 07.06.2019, 17:34 Uhr
Sie bilden das Institut für chauvinistische Weiterbildung: Daniela Janjic, Ivna Žic, Gerhild Steinbuch und Katja Brunner (v.l.)
Sie bilden das Institut für chauvinistische Weiterbildung: Daniela Janjic, Ivna Žic, Gerhild Steinbuch und Katja Brunner (v.l.) Foto: Jasny

Das gilt ebenso für ihre Kolleginnen Katja Brunner , Daniela Janjic und Ivna Žic. Zusammen sind sie das Institut für Chauvinistische Weiterbildung, kurz ICW. Und als solches werden sie auch am 3. und 4. Juli im Rahmen der „Droste Lectures“ im Haus Rüschhaus auftreten. Die Lesung am Donnerstag im Theatertreff war gewissermaßen ein Vorgeschmack, wie es aussehen kann, wenn sich junge Autorinnen mit patriarchalischer Macht auseinandersetzen.

„Heilige Allianz der Powermänner“ überschreibt Katja Brunner ihren Text, der mit drastischer Bildhaftigkeit über Methoden männlicher Triebabfuhr reflektiert. Eine Gegenposition dazu nimmt Daniela Janjic ein, wenn sie am Beispiel zweier Wassertropfen die Überwindung des Körperlichen zur Voraussetzung für Nähe macht. „Das gebrochene Herz fängt im Hirn an“, behauptet Ivna Žic. Dort werde es dann von Männern zu Karrierezwecken poetisch ausgeschlachtet. Gegen zu viel Leidenschaft empfiehlt sie Entspannungsübungen.

Allen Texten ist nicht nur die Beschäftigung mit Annette von Droste Hülshoff gemeinsam, sondern auch eine Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen. Diesen stellen die Autorinnen ein „feministisches Schreiben“ entgegen. Wie viel Gefühl darf ein Text haben? Wie geht man mit Themen wie Liebe um? Wie sehr hält man sich an vorgegebene literarische Formen? Das sind Fragen, die sie gemeinsam zu beantworten versuchen.

Dazu haben sie 2017 zusammen mit Darja Stocker das Institut für Chauvinistische Weiterbildung gegründet. Was man sich unter dieser Einrichtung vorzustellen habe, will beim Publikumsgespräch eine Zuschauerin wissen. Gehen da Chauvinisten rein und kommen als Humanisten wieder raus? Ja, so lautet die einhellige Antwort vom Podium.

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