Ausstellung beim Westfälischen Kunstverein
Die Sache mit dem Herz

Münster -

Über allen Arbeiten schwebt ein Bild, geschaffen von dem französischen Philosophen Jean-Luc Nancy. In einem Essay setzt er den Eindringling, den Fremden mit einem transplantierten Herzen gleich: Der Körper braucht es, droht aber zugleich, es jederzeit wieder abzustoßen. „L’Intrus“ ist der Titel des Essays (2000), „L’Intrus Redux“ der jener Ausstellung, die an diesem Freitag (14. Juni) im Westfälischen Kunstverein eröffnet wird.

Donnerstag, 13.06.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 18:24 Uhr
Künstlerin Lara Tabet (r.) zu Besuch bei einer Frau in Beirut. Diese muss um ihr Zuhause fürchten.
Künstlerin Lara Tabet (r.) zu Besuch bei einer Frau in Beirut. Diese muss um ihr Zuhause fürchten. Foto: WKV

14 Künstler, zum Teil aus nicht-europäischen Ländern, bestücken die komplexe Präsentation mit Installationen, Keramiken, Aquarellen, Fotografien und Videoarbeiten. Ausgewählt hat sie die freie Kuratorin Natasha Marie Llorens (New York/Marseille), die hier fortsetzt, was sie 2018 in San Sebastian begann: Anstatt den Fremden nur abzubilden, zeigen die von ihr ausgewählten Künstler, der Denkrichtung Jean-Luc Nancys folgend, in ihren Werken die Beziehung zum Fremden als intime Wechselbeziehung.

In Mounir Gouris Video „Naufrage“ (für: Schiffbruch) tanzt ein Mann, ein zweiter spielt eine arabische Laute, deren Klang den Raum erfüllt. Beide nutzen ästhetisch differierende Sprachen – all dies in einem Boot, dem weltweiten Symbol für Flüchtlingselend.

Auf dem Weg zum großen Ausstellungsraum passiert der Besucher die eckige Skulptur von Ayman Alazraq und Emanuel Svedin, in der das Herz eines Flüchtlings in einem Camp schlägt – mal schnell vor Aufregung, dann wieder langsamer. Wer die Hände auflegt, fühlt Empathie jenseits visueller Wahrnehmung. Diese wird bei Mourad Krinahs Bildfläche auf die Probe gestellt, die aus einer tausendfach vervielfältigten Grafik besteht. Sie zeigt einen Mann mit Rettungsweste, die Hände ausgestreckt wie nach einer Katastrophe. Die Wiederholung desselben Musters erzeugt ein Gefühl der Gleichgültigkeit – Anspielung auf die mediale Realität.

Im Hauptraum fällt die Arbeit „Those who wait“ von Sreshta Rit Premnath ins Auge. Die Wand aus Wellplastik ist bedruckt mit dem Bild einer New Yorker Bucht, in der links das Gefängnis für Abschiebehäftlinge und rechts Ellis Island als historischer Punkt für die Einreise von Immigranten in die USA zu sehen ist. Das Bild trägt Spuren von Nachrichten der Angehörigen an die Inhaftierten. Dieser Arbeit gegenüber sind Lara Tabets Fotografien platziert , die sie 2013 in Beirut aufgenommen hat. Die Bilder zeigen die Künstlerin zu Besuch bei Frauen, die ihre Männer verloren haben und bedroht sind: Das Zuhause, in dem sie leben, trägt Spuren des Verfalls und soll weichen – für eine dichtere Bebauung des Viertels. Die Gewalt der Gentrifizierung prangert Tabets an. Nur einige der vielen Facetten der sehenswerten Gruppenausstellung.

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Die Ausstellung (bis zum 18. August) wird heute um 19 Uhr im Kunstverein, Rothenburg 30, eröffnet. Am Samstag (15. Juni) findet um 12 Uhr ein Rundgang mit der Kuratorin und den Künstlern statt.

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