Studierende und Zirkusartisten präsentieren „Square One“ in der Studiobühne
Artistisches Spiel mit Codes

Münster -

Das Leben sei eine Serie von Entscheidungen, steht in englischer Sprache über dem Eingang der Studiobühne geschrieben. Harm van der Laan von der „Tall Tales Company“ aus Rotterdam geht noch einen Schritt weiter: „Wir sind Codes. Wir sind Algorithmen“, verkündet er dem Publikum. Dann lässt er weiße Bälle mit klatschenden Geräuschen durch seine Hände wechseln und demonstriert die Grundlagen der Jonglage: Muster, Zahlenfolgen, reine Mathematik.

Sonntag, 16.06.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 19:02 Uhr
Auch diese Jonglage mit Bällen weist den Weg in eine faszinierende Welt neuer Bilder und Wirklichkeitserfahrung. Die „Tall Tales Company“ aus Rotterdam und Studierende aus Münster zeigten dies eindrucksvoll.
Auch diese Jonglage mit Bällen weist den Weg in eine faszinierende Welt neuer Bilder und Wirklichkeitserfahrung. Die „Tall Tales Company“ aus Rotterdam und Studierende aus Münster zeigten dies eindrucksvoll. Foto: Müller

„Square One“ ist ein hochmodernes und elegantes Zirkusstück, das die Frage nach der Vorhersehbarkeit menschlichen Lebens und Handelns facettenreich aufspießt. Auf Einladung des Forschungsprojekts Zirkuswissenschaft an der Universität Münster hatten sich van der Laan, Maartje Bonarius, Joris de Jong und der bildende Künstler Don Satijn in der Woche über Pfingsten intensiv mit Masterstudierenden des Blockseminars „Kulturpoetik als Dramaturgie“ ausgetauscht. Letztere bekamen dabei die Chance, ihre theoretischen Fähigkeiten in der Praxis zu erproben.

Verharren und Bewegung sind elementare Kerne dieses Stücks. Gespielt wird nicht nur auf der Bühne, sondern in acht Episoden auf drei Etagen und dem Platz des Philosophikums. Don Satijn selbst ist der Führer bei diesem Rundgang. In seinen Arbeiten spiegeln sich die Phänomene einer mathematisch aufgebrochenen Welt: großformatige, gepunktete Grafiken, die mal an Lochkartensysteme, mal an Visualisierungen von Datenströmen erinnern; kubistische Metallskulpturen, die Linearität suggerieren. Inmitten und mit dieser Kunstwelt, in der Rund und Eckig sich begegnen, agieren die Artisten mit ihrem Wurfzeug als lebendige Skulpturen in wechselnden Konstellationen. Als hüpfende Punkte malen ihre weißen Bälle Muster. In der Teeküche bringen sie ein kabinen­ähnliches Objekt mit Schwingtüren zum Farbwechsel. Variationen und neue Kombinationen entstehen. Draußen tanzen die kleinen Kugeln rhythmisch harmonisch zu klassischer Klaviermusik. Kleine Geschichten entspinnen sich. Auf einem Treppenabsatz unterzieht Bonarius van der Laan einer Prüfung. Je drei Versuche hat er, steigende Jonglage-Herausforderungen zu meistern. Drei Bälle, vier, fünf – am Ende scheitert der Held und ein anderer führt die Braut heim. Sein oder Nichtsein, Fangen oder Nichtfangen – all diese binären Konzepte mögen indes den menschlichen Quellcode nur rudimentär beschreiben. Zur Frage, wer den Programmtext schreibt, kommt die der Perspektive, wie auch die Macher dieser Präsentation erfahren haben: Für die Studierenden war es der Abschluss ihrer Arbeit; für die Rotterdamer möglicherweise erst der Anfang von „etwas Großem“.

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