Sommerkonzert von canticum novum im Waldorf-Konzertsaal
Mensch spricht – Natur singt

Münster -

Die Geschichte hat bisher allen und allem das Laufen beigebracht, der Sprache erst recht: Der Spruch „Kann ja heiter werden“.

Montag, 17.06.2019, 19:02 Uhr
Der Chor „canticum novum“ pärsentierte sein Sommerkonzert unter dem Titel „Kann ja heiter werden“.
Der Chor „canticum novum“ pärsentierte sein Sommerkonzert unter dem Titel „Kann ja heiter werden“. Foto: Günter Moseler

Die Geschichte hat bisher allen und allem das Laufen beigebracht, der Sprache erst recht: Der Spruch „Kann ja heiter werden“ scheint aus alten Zeiten und zielte als ironische Befürchtung auf Schwierigkeiten, deren Ausgang noch im Ungewissen lag. Für seinen Auftritt im Waldorfsaal hatte der Chor „ canticum novum “ unter Michael Schmutte diese aus der Mode gekommene Formulierung als Motto gewählt – der für die 13 Frauen und zehn Männer gerade nicht galt: speziell die Intonation (für A-cappella-Gesänge immer ein Problem) war kein Problem.

Auch die Musik schlug sich nicht sofort und bedingungslos auf die Seite der „guten Laune“: Das schwedische Volkslied „Ge mig en dag“ hinterließ einen eher unheiteren Eindruck. Die leuchtenden Klangfelder der „Four Shakespeare Songs“ von Jaakko Mäntyjärvi suggerierten eine Dramatik, die Modernismen moderner Chormusik vorführt. Die autosuggestive Gestik dieser Musik erschien im konspirativen Geschnatter der Hexen „Double, double“ aus Shakespeares „Macbeth“ mittels Glissandi, Moll-Vorhalten und ostinaten Figuren einer vagen Unruhe ausgeliefert. Versponnenheit, Bedrohung und Heiterkeit bildeten das „crazy“-Element dieser Komposition, vom Chor gesanglich-gestisch virtuos in Szene gesetzt.

Die „Magic Songs“ des kanadischen Klangforschers Raymond Murray Schafer sollen im Zuhörer Naturgefühle wachrufen, so Schmutte: „Die Menschen sprechen, aber die Natur singt“. Imaginäre Naturgeräusche in „Gesang, um die Bienen im Winter warm zu halten‘“, artikulierte der Chor mit federndem (Repetitions-) Summen und flexibler Intonation. Thomas Jennefelts „Villarosa Sarialdi“ auf Nonsense-Texte manövrierte der Chor durchs sperrige Unterholz spröder Harmonien, jonglierten die Sänger leicht­händig mit ihren blitzenden Stimmgabeln.

Dann lieferte Daniel Masuch am Klavier eine jazzige Fassung von Charlie Chaplins sentimental-süßem „Smile“, bevor der Chor in den Themenboulevard „Liebe“ einbog. Zwei „Traditional Songs“ John Rutters feierten deren melodiöse Vorzüge ebenso wie häusliche Pflichten (der Frau), in den Volksliedern „Ein Vogel saß auf einem Baum“ und „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ absolvierte der Chor einen vielstimmigen ornithologischen Jubel- und Hochzeitsmarathon. Henry Mancinis „The Pink Panther“-Filmtitelmelodie blieb wie James Van Heusens „Swinging on a Star“ dem flotten Zungenschlag verpflichtet, das „Heitere“ ist hier die Zuversicht vor (!) allen Problemen. Für die Liebe ein gutes Rezept – wenn man so makellos singt wie canticum novum. Herzlicher Beifall.

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