„Reichtum und heißes Wasser für alle“ in der Eissporthalle
Armut erklärt: Götter sind schuld

Münster -

Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Dieses Problem hatten auch schon die alten Griechen. Bei ihnen lag es an den Göttern. Namentlich an Plutos. Dieser war nicht nur für den Reichtum zuständig, sondern auch derartig blind, dass er das Geld immer den Falschen zugeschoben hat.

Montag, 17.06.2019, 19:02 Uhr
Penia (Christiane Hagedorn) versucht als Göttin der Armut, das Volk zu überzeugen, dass nur die Not der Arbeiter die Wirtschaft am Laufen hält. Thomas Nufer zeigt in der Eissporthalle seine aktualisierte Version des „Plutos“ von Aristophanes
Penia (Christiane Hagedorn) versucht als Göttin der Armut, das Volk zu überzeugen, dass nur die Not der Arbeiter die Wirtschaft am Laufen hält. Thomas Nufer zeigt in der Eissporthalle seine aktualisierte Version des „Plutos“ von Aristophanes Foto: Sven Janßen

Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Dieses Problem hatten auch schon die alten Griechen. Bei ihnen lag es an den Göttern. Namentlich an Plutos. Dieser war nicht nur für den Reichtum zuständig, sondern auch derartig blind, dass er das Geld immer den Falschen zugeschoben hat. So steht es zumindest bei Aristophanes. Dessen Komödie „Plutos“ diente Thomas Nufer als Vorlage für sein Theater „Reichtum und heißes Wasser für alle“, die am Sonntag in der ehemaligen Eissporthalle Premiere hatte.

Mit einem guten Dutzend Schauspielern und noch mal derselben Menge an Chor und Komparserie ist ein großes Ensemble am Start. Aber nicht zu groß für die Bühne, die sich als regelrechtes Gelände erweist. Zwischen Baugerüsten, einem Wohnwagen, verkehrt herum in den Boden gepflanzten Bäumen und einem Verhau aus Wellblech haben die Akteure reichlich Platz ihr Spiel zu entfalten. Das gilt auch für die modernen Nebenfiguren, zu denen ein Moderator (Martin Schlathölter) zählt, der in Interviews mit Arbeitslosen, Mindestlohnarbeitern und Migranten die Armen unserer Zeit zu Wort kommen lässt.

Auf der antiken Ebene kristallisieren sich der Handwerker Chremylos und seine Sklavin Karion als Protagonisten heraus. Von Eckhard Ischebeck und Lara Albert mit umstürzlerischem Impetus gespielt, versuchen sie dem blinden Plutos sein Augenlicht zurückzugeben, damit er den Reichtum gerechter verteilt. Stefan Nászay in der Rolle des Gottes kultiviert einen etwas ordinären, aber nicht unpassenden Wiener Dialekt und sorgt so für Komik. Als seine Gegenspielerin tritt Penia auf, die als Göttin der Armut das Volk überzeugen will, dass nur die Not der Arbeiter die Wirtschaft am Laufen hält. Christiane Hagedorn beeindruckt hier mit klassischer Rezitationskunst und bildet so auch formal einen wirksamen Kontrast zu Plutos.

„Reichtum und heißes Wasser für alle“ ist eine intelligente und originell in Szene gesetzte Adaption eines zweieinhalbtausend Jahre alten Klassikers, der offensichtlich nichts an Aktualität eingebüßt hat. Schlagerparodien, ein Streitgespräch zwischen Karl Marx und „Päpstin Franziska“ sowie besorgte Pflegeschülerinnen, die in der Pause bei den Zuschauern Puls messen, wirken als erfrischende Verfremdungseffekte und regen zum Weiterdenken an. Und genau das ist es, was das Stück laut Programmheft erreichen will.

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Weitere Vorstellungen: 18., 19., 21. 25., 26. und 27. Juni, jeweils 20 Uhr, sowie 30. Juni um 11 Uhr in der Eissporthalle, Steinfurter Straße 113.   | www.reichtum-  heisseswasser.de

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