Studierendenprojekt in der rappelvollen Überwasserkirche
Harte Brocken gemeistert

Münster -

Die große Orgel tönt im stärksten Tutti, das Orchester mobilisiert all seine verfügbaren Kräfte, der Chor jubiliert aus vollen Kehlen – Anton Bruckners „Te Deum“ könnte die dicksten Mauern von Jericho im Nu atomisieren. Die Überwasserkirche allerdings hielt den Klangmassen stand und bot die beeindruckende Kulisse für Bruckners überbordendes Gotteslob.

Montag, 24.06.2019, 18:26 Uhr
Die Überwasserkirche was beim Konzert des Studienprojekts rappelvoll – auf der Bühne und in den Bänken.
Die Überwasserkirche was beim Konzert des Studienprojekts rappelvoll – auf der Bühne und in den Bänken. Foto: cws

Und für die Akteure des Studierendenprojektes, das nun bereits zum fünften Mal begeisterte und begeisterungsfähige Vokalisten und Instrumentalisten zusammenbrachte. Zwei Semester lang wurde gearbeitet. Gut investierte Zeit, denn herausgekommen war ein Konzert, das beim Publikum in der rappelvollen Kirche schwer Eindruck hinterließ.

Dabei ist das „Te Deum“ schon ein harter Brocken für alle Beteiligten. Immer diese harmonischen Finessen, diese ausgeprägte Chromatik, die sich förmlich in den Himmel schraubt, für die Sopranistinnen im Chor gar bis zum hohen C. Aber Dirigent Joel Diekmann konnte sich auf sie verlassen, auf alle, die da mit Haut und Haar Musik machten. Auch und gerade, wenn es mal nicht infernalisch laut zuging, denn Bruckner kennt auch die leisen, die frommen Momente – so wie Mozart in seinem „Requiem“. Dessen von Legenden umwobenen Schwanengesang teilten sich am Dirigentenpult Clara Lefering (Teil 2) und Leon Jaekel, der bis zum „Lacrimosa“ für Inspiration bei Soli, Chor und Orchester sorgte.

Natürlich konnte es angesichts des vokalen Riesenapparates, der da im Altarraum der Kirche aufgetürmt war, nicht um eine „schlanke“, gar historisch informierte Aufführung gehen. Eher um ein Klangbild, das sich dem Primat von Fülle und Üppigkeit verschrieb. Für Momente wie das „Dies irae“ oder das „Rex tremendae“ genau richtig, um große Dramatik zu entfalten. Ein paar zusätzliche Streicher hätte das Orchester dazu noch gebrauchen können. Erstklassig besetzt waren die drei Posaunen im Dauereinsatz, die ein Sonderlob verdient haben. Da war alles auf oberem Niveau. Auch im restlichen Orchester war viel Licht, hier und da ein klein wenig Schatten. Wie im Chor und auch bei den Solisten Linda Walter, Barbara Müller, Moritz Flor und Claus Renzelmann. Letztere überzeugten in der Gestaltung ihrer anspruchsvollen und mit großem Selbstbewusstsein gemeisterten Partien.

Nach Bruckners phonstarkem C-Dur-Schluss ein nicht enden wollender Beifall für ein tolles Konzert. Für die Akteure dürfte vor allem die Arbeit jede Menge gebracht haben. Nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

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