Künstler der Kunstakademie zeigen im Wewerka-Pavillon „Why!“
Wenn „Etwas“ ein „Du“ wird

Münster -

Das Terrarium ist scheinbar leer. So leer wie ein Zimmer mit Mücke. Was die Mücke fürs Ohr, ist der Hexbug fürs Auge. „Entdecke eine völlig neue Tierart“, heißt es seit Dienstagabend im Wewerka-Pavillon. Im gläsernen Ausstellungsraum der Kunstakademie am Aasee hat eine Gruppe von Studierenden eine synthetische Lebendigkeit als winzige Projektionsfläche in Bewegung ausgesetzt und eingesperrt.

Mittwoch, 03.07.2019, 10:34 Uhr
Ein winziges Etwas hoppelt in den Abendstunden im Wewerka-Pavillon herum. Als „Wesen“ löst es Gedanken und Emotionen aus.
Ein winziges Etwas hoppelt in den Abendstunden im Wewerka-Pavillon herum. Als „Wesen“ löst es Gedanken und Emotionen aus. Foto: Gerhard H. Kock

Ein winziges „Nano Nitro“ zittert sich über die holperige Fläche, irrt durch den riesigen Raum, wie auf der Suche oder Flucht – solange die Knopfzelle reicht. Beim Betrachten stellen sich Emotionen ein. Die Robotic Creature stimuliert Gemüt und Seele, wird zu einem Gegenüber. Warum wird das „Etwas“ ein „Du“? Der große Raum – das kleine Ding. Die unberechenbaren Bewegungen (ausgelöst durch Vibration und krumme „Beinchen“) tun ihr Übriges, um Lebendigkeit zu suggerieren. Und wenn sich die Ding-Seele an den niedrigen Kanten abarbeitet, als wolle sie entkommen . . . Das kann herzzerreißend sein.

Elektronische Dinge werden nicht erst seit „Nummer 5 lebt“ (1986) personalisiert. Aber Roboter für den Rasenschnitt und gegen die Staubmäuse führen eher ein anonymes Dasein. Wie im übrigen viele Tiere. Bis sich der Mensch dafür interessiert und sie exponiert. Im Zoo zum Beispiel. „Zoo“ ist auch der Impuls, den der Künstler Jürgen Stollhans den Studierenden Lejla Aliev, Petra Bresser, Lisa Dohmstreich, Elisa Kullmann, Jin Soo Park, Johannes Prinzen und Manuel Talarico gegeben hat. Nach umfassender Recherche (von der Zoo-Geschichte bis zur Tier-Ethik) mussten sich die sieben Künstler über die Umsetzung Gedanken machen. Das Ergebnis: das „Modell eines minimalisierten Zoos“. Ein „Tierpfleger“ setzt diese „Spezies“ der Gattung Bürstenroboter vier Tage die Woche abends in den gläsernen Käfig, in dem sich die Natur spiegelt. Dem Betrachter bietet sich also auch das Bild eines realen Objekts in der gespiegelten Landschaft, was dieses „bug“ endgültig zum „Insekt“ werden lässt. Und es thematisiert so einen gemeinsamen Aspekt von Natur und Kultur: das Gezeigt-Werden, das Ausstellen. Zoo und Museum liegen nah beieinander und damit vielleicht auch die Fragen: Darf das? Soll das? Muss das? Was unterscheidet Kunst von Käfern? Welche Bedeutung und Wirkung hat Voyeurismus?

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Die Ausstellung „Why!“ ist bis zum 25. August donnerstags bis sonntags zwischen 18 und 20 Uhr im Wewerka-Pavillon (Kardinal-von-Galen-Ring / Nähe Torminbrücke) zu sehen. Es ist eine Künstlerbroschüre erschienen.

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