Musik-Campus für Münster
Campus mit Leuchtturm-Potenzial

Münster -

Endlich liegen belastbare Fakten, Daten und Pläne für einen Musik-Campus in Münster auf dem Tisch. Oberbürgermeister Markus Lewe und Universitätsrektor Johannes Wessels stellten jetzt ein entsprechendes Gutachten vor. Der Campus, an dem Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester sowie weitere Kulturvertreter eine neue Heimat finden sollen, soll 17 500 Quadratmeter Fläche bieten. Vorsichtig geschätzte Investitionskosten: 180 Millionen Euro. Im Herbst muss Münsters Rat entscheiden.

Donnerstag, 04.07.2019, 17:22 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 18:36 Uhr
Ziehen bei den Plänen für einen Musik-Campus an einem Strang: Oberbürgermeister Markus Lewe und Universitätsrektor Prof. Dr. Johannes Wessels. Der Raumbedarf wurde beziffert, jetzt geht es an die Standortfrage.
Ziehen bei den Plänen für einen Musik-Campus an einem Strang: Oberbürgermeister Markus Lewe und Universitätsrektor Prof. Dr. Johannes Wessels. Der Raumbedarf wurde beziffert, jetzt geht es an die Standortfrage. Foto: Oliver Werner

Sollte diese Vision, die schon in ein erstes Gutachten eingeflossen ist, Realität werden, dann würde Münster einen Leuchtturm gewinnen. Die Rede ist von einem Musik-Campus, den Westfälische Wilhelmsuniversität und die Stadt Münster gemeinsam stemmen wollen. Mit exzellenten Alleinstellungsmerkmalen und Synergieeffekten, die nach ganz Europa ausstrahlen. Universitätsrektor Prof. Dr. Johannes Wessels und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe zogen da gestern im Kleinen Haus in Münster eindrucksvoll an einem Strang. Ob Münsters Ratsfrauen und Ratsherren das im Herbst auch tun werden, steht auf einem anderen Blatt. Doch Münsters OB zeigt sich zuversichtlich und hofft, dass die großen Parteien hier einen Konsens herstellen. „Erst die Stadt, dann die Parteien“, so schätzt er die Tragweite dieses Projekts und die Einsicht der Kommunalpolitik ein.

Zumal die von der „metrum Management GmbH“ ausgearbeiteten Fakten und Anforderungen der voraussichtlichen Hauptnutzer (WWU-Musikhochschule, Musikschule, Sinfonieorchester) ein stimmiges Betriebskonzept ergeben. Und es soll Raum bleiben für weitere Nutzer: Orchester, Ensembles und Chöre der freien Szene.

Der Flächenbedarf für den Musik-Campus, den Markus Lewe am Donnerstag im Kleinen Haus des Theaters Münster bezifferte, beträgt laut Gutachten 17 500 Quadratmeter. Mit 35 Prozent habe die WWU den größten Bedarf an alleine genutzten Räumen. Rund 40 Prozent der Räume und Flächen sollen von den Hauptnutzern gemeinsam genutzt werden. Synergieeffekte sind beabsichtigt.

Neben einem Konzertsaal für rund 1200 Personen und Probenräumen sieht der Plan drei kleinere Veranstaltungsräume vor: einen Kammermusiksaal (400 Plätze), eine Pop-Bühne (bis zu 200 Plätze) und eine Werkstattbühne (ebenfalls bis zu 200 Plätze). Die Universität sieht Bedarf für Kongress- und Konferenzmöglichkeiten. Weitere 200 bis 300 Plätze könnten dann zum Konzertsaal hinzugefügt werden. Wobei Markus Lewe den Kritikern einer „Hybrid-Lösung“ ins Stammbuch schreibt, dass hier „erstens, zweitens und drittens“ ein Konzertsaal nach allen Regeln der Kunst gebaut werde und dieser sich dann auch für Kongresse flexibel nutzen lasse. Nach Einschätzung des Akustikbüros Müller-BBM sind eine hervorragende Konzertakustik und eine ergänzende Konferenznutzung miteinander vereinbar.

Die Betriebskosten des Campus werden mit jährlich rund 2,1 Millionen Euro angegeben. Vieles davon fällt auch heute schon an. Rektor Wessels beziffert die Baukosten eines Campus mit 160 bis 180 Millionen Euro. Davon würden rund zwei Drittel auf die Universität entfallen, auf die Stadt etwa ein Drittel. Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen hat Interesse an weiteren Gesprächen über eine mögliche Förderung durch das Land NRW signalisiert.

Kommentar: Jetzt oder nie!

Die zum Teil hitzigen Debatten der vergangenen Wochen über kulturelle Mischprojekte, urbane Anbindung und städtebauliche Leuchttürme sind verklungen. Jetzt liegen erstmals planerische Daten und Fakten auf dem Tisch. Erfreulich: Universität und Stadt Münster wollen an einem Strang ziehen und einen Musik-Campus errichten, der europaweit auf Interesse stoßen dürfte. Die sich bei Investition und Betrieb ergebenden Synergieeffekte sind kostbar, zumal alle beteiligten Institutionen, Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester, ohnehin tief in die Tasche greifen müssten, um ihre Zukunft baulich zu sichern. Und der kulturelle Kompetenz-Zugewinn ist in Zahlen gar nicht zu fassen! Jetzt heißt es, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und nach der Entscheidung für den günstigsten Standort mutig anzufangen.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6749193?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Symptomatisch für viele Gemeinden
Hintergrund: Pfarrer verlässt Heilig Kreuz: Symptomatisch für viele Gemeinden
Nachrichten-Ticker