Auftakt des Droste-Festivals im Haus Rüschhaus
Rebellin Annette als Vorbild

Münster -

Auf Annette von Droste-Hülshoff ist Sharon Dodua Otoo während ihres Germanistikstudiums in London gestoßen. Da war sie nicht gerade begeistert.

Donnerstag, 04.07.2019, 21:07 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 18:42 Uhr
Im Garten von Haus Rüschaus wurde das Droste-Festival zum Thema „This is a woman’s world“ eröffnet.
Im Garten von Haus Rüschaus wurde das Droste-Festival zum Thema „This is a woman’s world“ eröffnet. Foto: Sabrina Richmann

Auf Annette von Droste-Hülshoff ist sie während ihres Germanistikstudiums in London gestoßen. Da war sie nicht gerade begeistert. Zu kompliziert die Sprache, zu verschachtelt die Sätze. Erst später sei ihr aufgefallen, dass die Texte feministische und antirassistische Elemente enthalten, die bis heute kaum untersucht wurden. Das erzählte die britische Autorin und Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo am Mittwochabend bei der Eröffnung des Droste-Festivals im Rüschhaus.

„Droste-Hülshoffs gesammeltes Schweigen“ heißt ihr Vortrag. Darin geht sie auch auf ihr eigenes Schreiben ein und fordert von der Literatur, dass sie im Hinblick auf Geschlecht, Kultur und Hautfarbe der Protagonisten vielfältiger werden müsse, um Lebenswirklichkeit abzubilden. Deutschland war, ist und wird nie homogen sein, sagt sie. Man müsse ein gemeinsames Vokabular finden, dann werde auch die Diskussion über Unterschiede einfacher.

Das veranstaltende Center for Literature hat das Festival unter das Motto „This is a woman’s world“ gestellt. „Annette von Droste-Hülshoff war in ihrer Zeit eine Rebellin und wäre es auch heute“, erklärt Barbara Rüschoff-Parzinger (Vorstandsvorsitzende der Droste-Stiftung). Hildegard Kaluza (Abteilungsleiterin im NRW-Kulturministerium) betont die Vorbildrolle der Dichterin, und Dr. Jochen Grywatsch von der LWL-Literaturkommission weist auf die Schwierigkeiten hin, die die Droste als Frau und Adelige im Literaturbetrieb hatte.

Auf die „Leerstellen“ in der „Judenbuche“ ging die Philosophin und Filmemacherin Eva Meyer in ihren komplexen Ausführungen zu den sprachlichen und historischen Spuren einer weiblichen Subjektivität ein. Diese Leerstellen werden lesbar, sagt sie, in dem Moment, in dem sich der Text weigert, Vergangenheit zu sein. Ein „Spiel mit dem Unbekannten“ macht sie bei der Droste aus, sowohl im religiösen wie im weltliche Kontext. Das Inhomogene und Pluralistische der Texte stelle Verbindungen her und verschalte die unterschiedlichen Kontexte neu.

Rund 50 Protagonisten aus Kultur und Wissenschaft werden sich noch bis Sonntag im Rüschhaus mit Annette von Droste Hülshoff auseinandersetzen. So hat das „Institut für chauvinistische Weiterbildung“ einen „Feminist Showroom“ eingerichtet, um literarische Prozesse erfahrbar zu machen und „Solidarität unter Kompliz*innen“ zu fordern. Gerda Wieggers befasste sich am Eröffnungsabend mit Problemen bei der Übersetzung, und der Opernsänger Shlomi moto Wagner demonstrierte in einem Performance-Konzert die Unschärfe von Geschlechterzuweisungen. Außerdem wurde der feministische Vampirfilm „A Girl Walks Home Alone at Night“ gezeigt.

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