Ungewöhnliche Töne in der Freien Gartenakademie
Dosenbass und Kurbeltrommel

Münster -

Han Buhrs dreht die leuchtend rote Kurbel. Die Kurbel treibt ein kleines rotes Metallrad an, auf das Rad sind schwarze, längliche Gummistreifen montiert. Diese Gummistreifen bearbeiten eine kleine Trommel, die davorsteht. Wenn Buhrs schneller dreht, erhöhen sich Tempo und Lautstärke des Trommelns, dreht er langsamer, wird es zudem leiser: gleichsam eine selbst gebaute Leierkastentrommel.

Montag, 08.07.2019, 18:34 Uhr
Leierkastentrommel: Ham Buhrs bearbeitet eine Trommel mit Hilfe eines Rades, auf das er schwarze Gummistreifen montiert hat, die bei der Umdrehungen die Trommel anschlagen.
Leierkastentrommel: Ham Buhrs bearbeitet eine Trommel mit Hilfe eines Rades, auf das er schwarze Gummistreifen montiert hat, die bei der Umdrehungen die Trommel anschlagen. Foto: heh

Buhrs (Stimme, Texte, Objekte), Nora Mulder (Klavier, akustische Spielzeuge) und Jan Klare (Saxofone, Flöte, Bassklarinette) haben eine Menge rein akustisch erzeugter Sounds im blühenden Grün der Freien Gartenakademie ausgeschüttet. Ein je nach Bedarf mit Schlagzeugbesen auf den Saiten gespieltes Klavier, ein selbstgebauter Dosenbass, eine Spieluhr mit Lochstreifen und Klares folkloristisch anmutende Bambusquerflöte, selbst der Duschkopf, an den Mulder eine Metallspirale montiert hatte, sorgten für abwechslungsreiche und meist spannende Sounds.

Der Garten war überfüllt mit neugierigen Zuhörern – einige hatten selbst in kluger Vorausschau einen eigenen Gartenstuhl mitgebracht, für den Künstler Wilm Weppelmann (Chef der Gartenakademie) immer noch irgendwo ein lauschiges Plätzchen fand.

Weppelmann begrüßte die Zuschauer und erklärte: „Heute gibt es wieder ganz besondere Töne. Jan Klare hat zwei Kollegen mitgebracht, und als Trio werden sie experimentelle Klänge zu Texten vortragen.“ – „Genau deshalb sind wir ja alle hier!“ äußerte ein Zuhörer daraufhin gut hörbar.

Nun folgten (auf Deutsch oder Niederländisch) Texte Han Buhrs’ und Ernst Meisters. arrangiert vom gut eingespielten Trio. Die niederländischen Texte wurden vorher von Buhrs kurz vorgestellt. Stimmungsvolles mit Klavier und Bassklarinette („Gebirge“ von Ernst Meister), sanft als langsamer Walzer sich im Kreise drehend, aber auch Skurriles wie „Bedauern“ aus der Feder Buhrs’ mit an Dada erinnernder Lautmalerei durch rhythmisch vorgetragene sinnfreie Silbenfragmente, begleitet von Querflöte und Klavier, zeichneten das Programm aus.

Klare hat Spaß daran, mehr als nur das Saxofon zu nutzen, aber verpasst jedem Instrument seinen eigenen Klare-Sound. Besonders die Bassklarinette lässt er nicht ehrfurchtsvoll in der gewohnten Tiefe schnurren, sondern jagt sie herum wie ein Altsaxofon. Die Bassklarinette macht es amüsiert mit, erkauft sich die bunte Virtuosität bis hin in hohe Lagen allerdings mit leichtem Blatt und deshalb ungewohnt hellem Ton. Die Zuhörer feierten die ungewöhnliche Trio-Truppe abschließend mit viel Applaus.

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