„Jolly en Joy“ im Charivari-Theater
Rettung durch freundliche Geister

Münster -

Oft ist das Krokodil eher für die Schockmomente im Puppentheater zuständig. In dem Stück „Jolly en Joy“, nach einem Kinderbuch von Asit Vashisthaer, wird es von den jungen Zuschauern geradezu in den Schlaf gestreichelt . . .

Dienstag, 09.07.2019, 18:28 Uhr
Die beiden Freunde „Jolly en Joy“ organisieren die Flüchtlingshilfe, damit ein kleiner Junge wieder auf die Beine kommt.
Die beiden Freunde „Jolly en Joy“ organisieren die Flüchtlingshilfe, damit ein kleiner Junge wieder auf die Beine kommt. Foto: Charivari

Oft ist das Krokodil eher für die Schockmomente im Puppentheater zuständig. An diesem Tag aber wird es von den jungen Zuschauern geradezu in den Schlaf gestreichelt. Dabei war ihm erst nicht wohl dabei, sich von der Bühne zu den Kindern zu gesellen: „Die beißen mich!“ Nicht nur das alte Reptil ist bei der neuen Produktion des Charivari-Theaters der Harmonie zugeneigt. Aus gutem Grund, denn es passieren schlimme Dinge. Und die Trennung von seiner Braut grämt das Krokodil selbst.

In dem Stück „Jolly en Joy“, nach einem Kinderbuch von Asit Vashistha, ist der schuppige Geselle ein freundlicher Geist unter mehreren, die dem syrischen Jungen Hamid auf die Beine helfen, der in den Wirren der Flucht getrennt von seiner Mutter, krank und ohnmächtig in der Wüste zusammengebrochen ist. Gerettet haben ihn Jolly und Joy, zwei befreundete Affen. Ein Heilkraut wird besorgt und dann das sprachbegabte Dromedar gerufen, das Hamid zudem Deutsch beibringen soll. So kann er überhaupt zu Beginn der Aufführung zusammen mit Kasper Larifari seine Geschichte vorstellen.

In der fantasievollen kleinen Erzählung eines Flüchtlingsschicksals steckt einiges Potenzial für gestalterische Variationen, die Puppenspieler Wilfried Plein auf sein Publikum abstimmt. Und so dürfen die Zuschauer zunächst entscheiden, wie der Erzählton gesetzt wird: Spannend oder langweilig? Lustig oder traurig? Das Votum: Knirpse und Erwachsene wollen sich vergnügen.

Der muntere Kasper kommt dem gerne nach, vermisst aber noch seine Unterhose und wirft auf der Suche danach „Käsesocken“ ins kreischende, lachende Publikum. Auch das überwiegend animalische Personal gibt sich gesellig. Der kecke Kakadu geht einem Plausch mit den kleinen Gästen nicht aus dem Wege und muss sich wundern: „Seid ihr gar keine Vögel?“

Das Dromedar erklärt, warum es kein Kamel ist und singt, die Affen tanzen und geben sich donnernde, freundschaftliche Kopfnüsse (nicht zu Hause ausprobieren!), und Schmetterlinge steigen auf. Über viele stimmungsvolle Episoden steuert die Handlung einem rührenden Ende zu. Die Empathie der Tiere, stellt sich nebenbei heraus, kommt nicht von ungefähr – auch sie sind heimatlos: Zirkustiere.  

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