Konrad Paul eröffnete virtuos den Orgelsommer
Schöne kurze Mondnacht

Münster -

Als Johann Sebastian Bach 1708 Hoforganist in Weimar wurde, war er gewiss noch ein jugendlicher Heißsporn und glänzte gern mit virtuosem Spiel. So wie Konrad Paul am Samstag in St. Lamberti beim Eröffnungskonzert des Orgelsommers.

Sonntag, 14.07.2019, 16:52 Uhr aktualisiert: 21.07.2019, 16:18 Uhr
Konrad Paul, Kantor der Apostelkirche
Konrad Paul, Kantor der Apostelkirche Foto: Christoph Schulte im Walde

Nicht, dass der neue Kantor der Apostelkirche Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt hätte, aber sein Spiel geriet doch durchweg flott. Ob Marcel Duprés „Cortège et Litanie“, Bachs Bearbeitung des Vivaldi-Concertos a-Moll oder die hübsche viersätzige Suite des Romantikers Léon Boëllmann: Pauls Tempi fielen stets frisch aus. Was der mitunter minimalistischen Vivaldi-Adaption ganz gut tat, wirkte bei Duprés inständiger Litanei leicht hastig. Und vielleicht hätte Bachs großartiger Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ ein bisschen mehr Ruhe gut getan – ein Kleinod, an dem man sich nicht satt hören kann und das Konrad Paul in die Klänge von Bachs Lieblingsregister tauchte: die Sesquialtera, hier mit ganz sanft schwingendem Tremulanten. Himmlisch schön!

Boëllmann bleibt dagegen ganz auf der Erde mit seiner Tanz-Suite, die gute Laune verbreitet und in der unablässig die Sonne strahlt. Wenig später war es der Schein des Mondes, dem Louis Vierne eine Meditation widmete („Clair de lune“). Die Nacht war kurz, entschied Konrad Paul. Und deshalb leuchtete sein Mond etwas schneller!

Und noch einmal Louis Vierne zum Abschluss: das Finale aus der fünften Sinfonie. Wie (fast) alles, was Vierne für Orgel komponierte, ist auch sie „seiner“ Orgel in Notre-Dame in Paris auf den Leib geschrieben. Jenem Instrument, das beim verheerenden Brand in der Kathedrale halbwegs glimpflich davongekommen ist. Man kann dieses lange Finale allein spielen. Doch sein Gehalt erschließt sich eigentlich erst im Kontext der vier vorangehenden Sätze, in denen jene Themen entwickelt werden, die Vierne im Finale miteinander verwebt. Ein Bravourstück bleibt es dennoch. Und eines, mit dem man sich – wie weiland Bach – als virtuoser Heißsporn präsentieren kann. Ein wenig orchestraler, ein wenig sinfonischer hätte es sein dürfen. Und schade, dass am Ende der große, lange Paukenwirbel im Pedal im schrillen Fortissimo völlig unterging. Da hätte die knackige Chamade ins Pedal gehört! Gleichwohl lautstarker, lang anhaltender Beifall für einen prächtigen Auftakt zum Orgelsommer.

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