Organist Klaus Eldert Müller in der Apostelkirche
Perlen aus dem hohen Norden

Münster -

„Raritäten aus dem Norden“, so beschrieb Lambertikantor Tomasz Adam Nowak das Programm seines Organisten-Kollegen Klaus Eldert Müller aus Lübeck. In der Tat hatte der schlaksige Musiker, der sich auf der Empore ans Werk machte, viele Orgelperlen aus dem Norden aufs Pult gelegt; Raritäten aus Lübeck inklusive. Die kamen bei den Orgelfreunden in der Apostelkirche glänzend an.

Sonntag, 21.07.2019, 16:18 Uhr
Klaus Eldert Müller aus Lübeck spielte ein exzellentes Konzert in der Apostelkirche.
Klaus Eldert Müller aus Lübeck spielte ein exzellentes Konzert in der Apostelkirche. Foto: Zinkant

Berühmtester Lübecker Meister war natürlich Dietrich Buxtehude. Aber auch Hugo Distler (1908-1942) und Manfred Kluge (1928-1971) hatten in dieser Stadt gewirkt – kein Wunder, dass Müller, Kantor am Lübecker Dom, diesen Meistern Reverenz erwies. Und die „neobarocke Orgel“ ( Nowak ) der Apostelkirche hatte auch das richtige Format dafür: Klar und kraftvoll, doch ohne die schäumende Wucht großer romantischer Orgeln, welcher insbesondere Distler in seiner Musik entsagte.

So war auch seine rare Orgelsonate op. 18 ein Beispiel für jenen Neoklassizismus, der in der evangelischen Kirchenmusik seit den 1920er Jahren vorherrschte. Klaus Eldert Müller spielte das mit hoher Prägnanz und Klarheit, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Aber war der romantische Furor eines Felix Mendelssohn oder Alexandre Guilmant nicht doch attraktiver?

An diesem Abend schon: Mendelssohns D-Dur-Sonate op. 65/5 bewies, dass der leichte, schwungvolle Stil des jungen Genies sich auch im schweren Gewand der Orgelpfeifen wunderbar macht. Insbesondere das finale „Allegro maestoso“ war Mendelssohn pur. Und sein Interpret Müller holte dies virtuos aus den Manualen hervor.

Erst recht Félix Alexandre Guilmant (1837-1911), ein virtuoser Vertreter französischer Orgelromantik. Seine D-Dur-Sonate op. 50 wirkte so orchestral erfunden, dass man teils glaubte, eine farbige kleine Sinfonie zu hören, die sich nur zufällig in die Orgelpfeifen verirrt hatte. Auch hier spielte Klaus Eldert Müller emotional und virtuos zupackend, den romantischen Gestus der Musik immer sorgfältig im Blick. Drei kurze Vertonungen des „Vater unser im Himmelreich“ waren noch zu hören: Von Bach, Buxtehude und dem Lübecker Manfred Kluge. Ein klug konzipiertes, exzellentes Konzert.

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