Kleiner Einblick in die Sammlung „Anton Antweiler“
Universale Formen der Frömmigkeit

Münster -

Diesseits und Jenseits haben in der Welt der Bilder ein gespanntes Verhältnis. Die hebräische Bibel verbietet ein Gottes-Bild expressiv verbis, im Islam hat das Bilderverbot seit Jahrhunderten Tradition, und selbst im frühen Buddhismus wurde der Religionsstifter lange Zeit nicht dargestellt. „Wie hältst Du es mit der Darstellung?“, ist eine religiöse Grundsatzfrage. Die hat den münsterischen Religionswissenschaftler Anton Antweiler (1900-1981) interessiert.

Montag, 22.07.2019, 18:52 Uhr
Anton Antweiler begann 1957 religiöse Kunst zu sammeln wie eine Figur des Begründers des tibetischen Buddhismus Padmasambhava.
Anton Antweiler begann 1957 religiöse Kunst zu sammeln wie eine Figur des Begründers des tibetischen Buddhismus Padmasambhava. Foto: Gerhard H. Kock

Diesseits und Jenseits haben in der Welt der Bilder ein gespanntes Verhältnis. Die hebräische Bibel verbietet ein Gottes-Bild expressiv verbis, im Islam hat das Bilderverbot seit Jahrhunderten Tradition, und selbst im frühen Buddhismus wurde der Religionsstifter lange Zeit nicht dargestellt. „Wie hältst Du es mit der Darstellung?“, ist eine religiöse Grundsatzfrage. Die hat den münsterischen Religionswissenschaftler Anton Antweiler (1900-1981) interessiert. Der Priester wollte sich nicht nur auf „das Wort verlassen“ und begann 1957 eine „religionskundliche Sammlung“, die im Besitz der Universität Münster ist. In der Galerie der Universitäts- und Landesbibliothek war jetzt eine kleine Auswahl der 250 Objekte zu sehen, die zeigen, welches vielfältige Potenzial in dieser Sammlung steckt trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer unsystematischen, zufälligen Zusammenstellung.

ULB-Galerie: „Anton Antweiler“ zeigte Kunst, Religion und mehr

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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Denn mit dieser bunten Sammlung können unzählige unterschiedlichste Fragen anschaulich werden. Antweiler interessierte die „Enteuropäisierung des Christentums“. Der Universitätslehrer suchte nach „Kennzeichen und Ausdrucksformen der Frömmigkeit“, wollte die Religiosität der Welt aus seiner christlichen Perspektive vermessen.

Eine exemplarische Figur ist die weißglasierte Keramik einer „Guan-Yin“. Die chinesische Göttin ist Freunden der Skulptur-Projekte seit 1997 ein Begriff. Huang Yong Ping stellte seine „100 Arme der Guan-yin“ auf den Marienplatz als Pendant zur Christus-Figur ohne Arme in der Ludgerikirche. Die Figur aus der Antweiler-Sammlung erinnert an Darstellungen der „Maria mit dem Kind“. Nach dem Verbot des Christentums in Japan zwischen 1614 und 1873 fanden die Christen dort Mittel und Wege, ihren Glauben heimlich weiterzuleben, in dem sie traditionelle Kultbilder ­adaptierten.

Auch Widersprüchliches gleicht sich in den Religionen. Jesus wie Buddha lebten und predigten die Bedürfnislosigkeit. Das spiegelt die Kunst selten wider. Prächtigste Gotteshäuser für den wandernden Gottessohn, prachtvolle Throne und Gewänder für den wandernden Erleuchteten.

Zudem wird in der Sammlung auch eine gewisse koloniale Arroganz sichtbar. In der Sammlung gibt es einige abgeschlagene Buddha-Köpfe, wodurch der Souvenir-Charakter dieser Objekte deutlich wird; als Kultbild wurden sie nutzlos. Die Gier des Westens führte zu großen Zerstörungen antiker Stätten in Südostasien, wie es im Begleitheft von Patrick Felix Krüger vom Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (Ceres) Bochum heißt.

Die Ausstellung in der ULB-Galerie war ein kleiner Anschmecker, der Hoffnung macht. Denn die religionskundliche Sammlung ist bislang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das soll sich ändern. Wenn der „Campus der Religionen“ hinter dem Hüfferstift in einigen Jahren eröffnet werden wird, soll in einem Raum in der Bibliothek aus der Lehr- und Forschungssammlung Antweilers auch eine öffentlich zugängliche Museumssammlung werden – für viele weitere Fragen.

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