Gartenakademie: Kulturwandel im gärtnerischen Miteinander
Vom „Das ist meins“ zum „Das ist unseres“

Münster -

Können Gärten die Welt vor dem Klima retten? Wilm Weppelmanns (Schreber-)Garten an der Langemarckstraße bot eine grimmsche Märchenidylle, die jedes „Und wenn sie nicht gestorben sind . . .“- Happy-End in verwegenen Pflanzen-Panoramen widerspiegelte, als Ans Hobbelink, Anthropologin und Direktorin für ökologischen Landbau und städtische Kleingärten an der Universität Wagenlingen, ihren kritischen Vortrag „Die Niederländer und ihr Garten“ begann.

Freitag, 02.08.2019, 18:22 Uhr
Ans Hobbelink in der Gartenakademie
Ans Hobbelink in der Gartenakademie Foto: Günter Moseler

Können Gärten die Welt vor dem Klima retten? Wilm Weppelmanns (Schreber-)Garten an der Langemarckstraße bot eine grimmsche Märchenidylle, die jedes „Und wenn sie nicht gestorben sind . . .“- Happy-End in verwegenen Pflanzen-Panoramen widerspiegelte, als Ans Hobbelink, Anthropologin und Direktorin für ökologischen Landbau und städtische Kleingärten an der Universität Wagenlingen, ihren kritischen Vortrag „Die Niederländer und ihr Garten“ begann. Denn (auch) in den Niederlanden hat sich die Natur, besonders der Kleingarten, städtebaulichen Gebietsansprüchen mit Tendenz zu kolonialistischer Unverfrorenheit zu erwehren.

„Fokus auf die Zukunft“ sei darum das Grundmotiv des „vereinten Gärtnerns“, so Hobbelink, die zugleich auf die Herausforderungen einer ökologisch brisanten Gegenwart verwies: die erfordere ein verstärktes Interesse an Ökologie und gesundem Essen wie an natürlicher Artenvielfalt. Die von Hobbelink bevorzugten „Gemeinschaftsgärten“ parierten politischen Druck auf den öffentlichen Raum ebenso wie mangelnde Solidarität unter konkurrierenden „Gartenanwärtern“. „Neue Generationen aber haben neue Interessen am Garten“, so Hobbelink, folgerichtig würde man dann solche gemeinschaftliche Teilhabe und Bewirtschaftung von Gärten unterstützen.

Diese neuen Pilotprojekt-Gärten sind themenspezifisch ausgerichtet: Gemeinschafts-, Obst-und-Gemüse-, Blumen- und Waldgärten wurden so im „Tuinenpark unser Draußen“ in Utrecht verwirklicht. Hobbelink: Das habe auch eine Neuorientierung der Garten-Mitglieder erfordert, die nun vom „das ist meins“ zum kollektiven „das ist unseres“ konvertierten. Dem Wettbewerbsego bot man bewusst Paroli: „Wenn du sie nicht schlagen kannst, schließe dich ihnen an!“ Tatsächlich kam es zu konstruktiver Zusammenarbeit, Mitgliedsbeiträge wurden variabel gehandelt, die Kommunikation floss natürlicher, die öffentliche Wahrnehmung war positiv.

Die Synergieeffekte einer frei gestalteten, interessengeleiteten Zusammenarbeit in den Gärten beförderten nach Hobbelink ambitionierte Ziele wie Begrünungen in Wohngebieten und Gewerbeparks, den Akzent auf Natur, Klima, Gesellschaft und Gesundheit.

Werner Heidemann (Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde) betonte die nachbarschaftliche Perspektive und die friedsame Kooperation. Der Grundakkord der Welt klingt derzeit nach Untergang, aber dass die Farbe „Grün“ zum Antibiotikum gegen die finale Weltkatastrophe taugen könnte, schien im Miniaturparadies des Künstlers Wilm Weppelmann plötzlich zum Greifen nah.

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