Akademie Franz-Hitze-Haus zeigt Bahram Hajou
Wenn Bilder fragen: „Und Du?“

Münster -

Diese Bilder sind unangenehm. Der Betrachter kann sie nicht konsumieren. Augen blicken ihn an. Und stellen immer die gleiche Frage: „Und Du?“ Kein Wunder, dass die Ausstellung mit Malerei von Bahram Hajou „Im Dialog“ heißt. Das Franz-Hitze-Haus zeigt in seinen Räumen Arbeiten des international überaus erfolgreichen Künstlers mit Atelier am Hawerkamp.

Sonntag, 11.08.2019, 17:58 Uhr
Der international erfolgreiche Künstler Bahram Hajou mit Wohnsitz und Atelier in Münster stellt derzeit eine Fülle aktueller Arbeiten im Franz-Hitze-Haus aus.
Der international erfolgreiche Künstler Bahram Hajou mit Wohnsitz und Atelier in Münster stellt derzeit eine Fülle aktueller Arbeiten im Franz-Hitze-Haus aus. Foto: Gerhard H. Kock

Bahram Hajou im Franz-Hitze-Haus

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Die Gemälde von Hajou bauen in vielerlei Hinsicht eine ungemütliche Spannung auf. Als ehemaliger Kunststudent in Münster und Düsseldorf vom abstrakten Expressionismus sowie Informel fasziniert, setzt er dessen gestische Energie für einen Zustand ein: Verunsicherung. Meist sind die Figuren wie vor Nebel gestellt, Nebel, in dem sich teils bedrohlich heftige Spuren in Erinnerung bringen. Weil dieser Dunst keinen Raum, keine Tiefe hat, wird das Unfassliche gegenwärtig nah. Selbst die scheinbar willkürlich platzierten Farben geben Rätsel auf. Leuchtende Flächen wirken willkürlich und versetzen den Betrachter in einen Deutungsdruck. Ist das Signal-Rot hier Farbe der Kraft oder des Todes oder doch eines Eros?

Meist sind es Paare oder Menschen ohne Partner, die als Figuren auf diesen Flächen positioniert sind. Wie selbstverloren erinnern sie an Martin Bubers Einsicht: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Aber zum Du muss eine Qualität hinzutreten. Und woran es den Figuren mangelt, hat vielleicht Hilde Domin passend ausgedrückt: „Es gibt dich weil Augen dich wollen, dich ansehen und sagen dass es dich gibt.“ Die Augen auf Hajous Bildern blicken den Betrachter an, flehen um dieses „Du“.

Denn aus der Expressivität malerischer Gesten und der Stille verharrender Figuren (als warteten sie auf Godot) erscheint im Betrachten mehr und mehr eine Brutalität hervor, wie sie das Leben sein kann: Gewalt und Schmerz in seinen vielen Formen. Hajou zeigt die Traurigkeit dieser Gewalt, weil Gewalt letztlich immer ein Scheitern ist. Ein Scheitern eines Täters. Die in ihrer körperlichen und seelischen Verletzlichkeit bloßgestellten Menschen malt Hajou nackt. Aber er entblößt sie nicht. Ob geschändet, missbraucht, gefoltert oder in ihrer Integrität verletzt, die Figuren verkörpern Würde.

Bahram Hajou ist 1952 als Kurde in Syrien geboren worden, in den Irak und 1974 über Prag nach Berlin geflohen, hat drei Studien abgeschlossen (Archäologie, Pädagogik mit Sport und Kunst sowie Freie Kunst) und hatte bereits 1983 eine Ausstellung im Museum Bochum. 2014 wurde dem mittlerweile international gefeierten Maler vom Château-Musée Grimaldi der „Henry Matisse“-Preis verliehen. Der münsterische Kunstexperte Jörg Bockow urteilt in dem zur Ausstellung erschienenen Katalog: „Bahram Hajou ist ein Titan der zeitgenössischen Kunst.“

Die Ausstellung im Hitze-Haus gibt einen guten Einblick in das umfangreiche Werk Hajous. Indes: Die hohe Zahl der Gemälde relativiert die Wirkung der einzelnen Arbeiten. Die Flure der Akademie wirken geradezu wie tapeziert. Angesichts der meist bedrückenden Themen eine Herausforderung. Auf der einen Seite: Auf der anderen gibt es auch tröstliche Motive – ein paar.

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Dr. Jörg Bockow (Journalist und langjähriger Wegbegleiter des Künstlers) führt am Dienstag (13. August) durch diese Ausstellung, die noch bis zum 15. September in der Akademie, Kardinal-von-Galen-Ring 50, zu sehen sein wird. Die Teilnahme ist gebührenfrei.

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