Kabarett im Schlossgarten mit Reiner Kröhnert
Im Reich der Verblendung

Münster -

Die Begeisterung kannte kein Ende. „Verpiss dich, du Schweinehund!“, „Blödmaul!“ oder „Mach‘ dich vom Acker, du Vollhorst!“ hätten die Menschen im pfälzischen Kallstadt, der Heimat seines Großvaters, ihm „zärtlich“ zugerufen. Da fühlte Donald Trump sogleich, dass sie ihn liebten . . . Seufz!

Freitag, 23.08.2019, 17:14 Uhr
Reiner Kröhnert als Donald Trump  Reiner Kröhnert beim Kabarett im Schlossgarten wechselte die Parodierten mit staunenswerter Geschmeidigkeit.
Reiner Kröhnert als Donald Trump  Reiner Kröhnert beim Kabarett im Schlossgarten wechselte die Parodierten mit staunenswerter Geschmeidigkeit. Foto: Wolfgang A. Müller

In Reiner Kröhnerts neuem Programm „Getwitter­cloud“ wird kühn mit der Wirklichkeit hantiert. Die 18 aus Politik und Medien bekannten Protagonisten, die der Kabarettist in staunenswert geschmeidigen Wechseln auf die Bühne zaubert, biegen sie aufs Geratewohl zurecht: Wo ein Vorteil ist, ist auch ein Weg. Nicht alle von ihnen sind indes berechnende Zyniker wie ein mit seiner Stamokap-Vergangenheit prahlender Altkanzler Schröder, Dieter Bohlen, der sich selbst als „Paganini der Arschlöcher“ rühmt, oder Friedrich Merz, der „ Trump der Teutonen“. Michel Friedman und Rüdiger Safranski lässt Kröhnert in einer wiederholt ins Programm gezappten Talk-Show mit dem Titel „Der Intellekt hat viele Gesichter“ und andere auf Trash-Ikone Daniela Katzenberger treffen. Während Safranski lispelnd Fremdwortkaskaden aus der Luft greift, hat sie eine einfache Erklärung: „Das Geile beim Philosophieren: Ich denk‘ mir was, und so ist es dann auch.“

Kröhnerts Panoptikum der Selbstgerechtigkeit und Verblendung holt bis in die Unterwelt aus. Dort schmoren Adolf Hitler und Erich Honecker, widerwillig Seit’ an Seit’. Schließlich aber, beim „Du“ angelangt, machen sie sich gegenseitig Komplimente. So einen Stasi-Apparat hätte er auch gern gehabt, sinniert Hitler. Honecker lobt die „unerreichte“ Propaganda des Nazi-Diktators: „Du könntest glatt die Reden für Donald Trump schreiben.“ Immerhin, brüstet sich der Angesprochene, habe er schon seinerzeit „mit Fake News einen Weltenbrand entfacht“.

Immer wieder begeistert Reiner Kröhnerts ausgefeilte Körpersprache und Intonation das Publikum. Er braucht für seine Parodien keine Maske, keine Requisiten, höchstens ein Baseball-Käppi. Oder einmal eine Kanzlerinnenperücke. Einige der brillanten Sketche sind Fortführungen aus vorangegangenen Programmen wie zuletzt „Kröhnert XXL – Großes Parodistenkino“. Das macht sie allerdings um keinen Deut schlechter. Aktualisiert und neu ausgerichtet fügen sie sich einem klugen, fesselnden Rhythmus, der Komplexität aufbaut, zwischendurch aufmerksame Stille einfordert und in durchaus böse Pointen mündet. Kröhnert schafft damit subtil ein sich nach und nach verdunkelndes Universum, in dem kühl kalkulierter Schwindel und narzisstischer Selbstbetrug auf einen „Big Bang“ zusteuern. Donald Trump schickt einschmeichelnde Tweets an die iranische Staatsführung. Keine Antwort. Der abgewiesene Liebhaber reagiert verschnupft – mit Bombardierungsforderungen.

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