Grandiose Orgelnacht in St. Lamberti
Organist dirigiert Filmorchester

Münster -

Was für eine Nacht. Die Orgelnacht in St. Lamberti am Samstag. Dort gab sich die Königin der Instrumente die Ehre. Und in ihrem Gefolge die Instrumente der Könige: Trompeten, Posaunen, dazu Horn und Tuba.

Sonntag, 25.08.2019, 17:56 Uhr aktualisiert: 26.08.2019, 15:24 Uhr
Das Ensemble „blechgewand(t)“ spielt am Samstag vor vollen Reihen in St. Lamberti.
Das Ensemble „blechgewand(t)“ spielt am Samstag vor vollen Reihen in St. Lamberti. Foto: -cws-

Das Ensemble „blechgewand(t)“ beherrscht sie spielend und ließ sie mal knorzig schmettern, mal butterzart fließen wie in Engelbert Humperdincks „Abendsegen“. Auch das Bläser-Arrangement von Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ schwebte ätherisch durch die voll besetzte Kirche. Bruckner, Byrd, Boëllmann vom Blech geblasen: das machte mächtig Eindruck. Erst recht die Ouvertüre zu Richard Wagners „Meistersinger“, die Tomasz Nowak in einer Orgelversion kredenzte und mit der er eine unglaubliche Sogwirkung entfaltete. Einfach tolle Musik, die auf der Orgel grandios gut funktioniert.

„Auf nach der Wies, schnell auf die Füß“ singt Hans Sachs im dritten Meistersinger-Akt. Am Samstag war es statt der Wies’ der Prinzipalmarkt, auf dem das Publikum für eine halbe Stunde mit seinen Füßen stand und einem zauberhaften Dialog der Türme lauschen konnte: vom Lamberti-Turm herab tönte blechgewand(t), im Stadthausturm am anderen Ende des Prinzipalmarktes saß Manfred Schneider am Glockenspiel. Niemand kennt dieses doch sehr spezielle Instrument besser und länger als er. Und wer außer ihm kann es so sensibel touchieren? Mit frommen Chorälen, die er im Wechsel mit der geballten Kraft des Blechs von Lamberti in den Abendhimmel schickte. Kein Wunder, dass auch zufällig vorbeikommende „Laufkundschaft“ für diese halbe Stunde am Platz verweilte und sich entspannt den Klängen hingab.

Dann das orgelnächtliche Finale: Orgel plus Stummfilm. Ein Format, dem man inzwischen häufiger begegnet und das auch in St. Lamberti nicht neu ist. Aber diesmal hatte sich Tomasz Nowak mit Fritz Langs epochalem Streifen „Metropolis“ von 1926 eine echte Herkulesaufgabe gestellt – und sie kongenial gelöst. Nicht weniger als gut hundert Minuten lang kommentierte Nowak frei improvisierend die dramatische Geschichte, die seltsam oszilliert zwischen knallharter Kapitalismuskritik einerseits sowie einer „Versöhnung“ der Zwei-Klassen-Gesellschaft mit Oben und Unten andererseits.

Ungewohnte Töne in der St. Lamberti

Wie auch immer: der Film inspirierte Nowak zu unglaublich packenden Live-Sounds. Der Organist als Dirigent eines Filmorchesters, wobei er jedes einzelne der Instrumente selbst bedient. Und das mit grenzenloser Fantasie und Kreativität. So etwas wird man so schnell kein zweites Mal erleben. Überbordender Beifall des Publikums, das in großer Zahl bis in die späte Nacht hinein dem Geschehen auf Leinwand und im Pfeifenwald folgte.

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