Zwei Künstlerinnen zeigten Performances zu „Mit Droste im Glashaus“ am Hawerkamp
Licht und Tanz für Annette

Münster -

Die Sonne war Voraussetzung für Susanne von Bülows Performance „Annette unscharf“ am Sonntag am Hawerkamp. Sie musste Annette von Droste-Hülshoff belichten und tat es auch, ohne zu klagen oder sich hinter dunkle Wolken zurückzuziehen. Im Prinzip war es eine Form von Fotografie, die von Bülow mit Hilfe von Cyanid, saugfähigem Papier, einer Glasplatte und Wasser durchführte. Eine Art Live-Belichtung, die sich zwischen scharfer und unscharfer Abbildung bewegte und damit Bezug nahm auf Annettes Augenleiden, das ihr nicht erlaubte, entfernte Gegenstände deutlich zu erkennen.

Montag, 26.08.2019, 17:52 Uhr
Ruth Trautmann tanzte zu Christoph Otto Hetzels „Schattenwald“.
Ruth Trautmann tanzte zu Christoph Otto Hetzels „Schattenwald“. Foto: Helmut Jasny

„Ästhetik hat immer mit Wahrnehmung zu tun“, sagt von Bülow. „Wenn jemand die Dinge von Geburt an auf eine spezielle Weise sieht, wird er auch eine spezielle Ästhetik entwickeln.“ Diese findet sich in den Naturbeschreibungen der Dichterin, bei denen Vorstellung und Fantasie in das konkrete Bild einfließen. Eine ähnliche Wirkung erzeugte von Bülow mit ihrer „cyanotopischen Belichtungsperformance“, bei der Porträts der Dichterin, ihre winzige Schrift und diverse Pflanzen ineinander flossen und sich so zu einem neuen, eigenständigen Kunstwerk verbanden.

Mit Schatten arbeitete anschließend Ruth Trautmann bei ihrer Tanzperformance „schwebend schwinden. schattengleich.“ in der Titanickhalle. Die Folie bildete Christoph Otto Hetzels Installation „Schattenwald“, die neben der improvisierte Bühne stand und gleichzeitig als Video hinter der Tänzerin zu sehen war. Dabei erzeugte das Kunstwerk selbst schon Bewegung, hervorgerufen durch zwei an Ventilatoren befestigte und sich hin und her bewegende Strahler, die geheimnisvolle Schatten über die Leinwand wandern ließen.

Mit diesem Schattenspiel trat Trautmann auf nicht weniger geheimnisvolle Weise in Interaktion. Sanft schien sie in den Wald hineinzuschweben. Mit Armen und Beinen zeichnete sie dann neue Schatten und wendete sich schließlich wieder ab, um sich vor der Leinwand einen eigenen Raum zu ertanzen – alles in wunderbarer Stille, bei der nur das leise Rauschen der Ventilatoren zu hören war. Den textlichen Rahmen für die Performance bildeten die Gedichte „Das Spiegelbild“ und „Durchwachte Nacht“ – beide von Carolin Wirth mit starkem Ausdruck und sicherem Gespür für Annettes Lyrik vorgetragen.

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