Das Wolfgang-Borchert-Theater ist aus den Ferien zurück
Zanger sorgt sich um die Zukunft

Münster -

Auf der Betriebsversammlung zum Spielzeitbeginn 2019/20 begrüßte Intendant Meinhard Zanger nicht nur die Mitarbeiter und das Ensemble des Wolfgang-Borchert-Theaters. Er nutzte auch die Gelegenheit, um einige Sorgenthemen anzusprechen.

Montag, 02.09.2019, 16:48 Uhr
Gut gelaunt kehrten die Mitarbeiter des Wolfgang-Borchert-Theaters aus den Ferien zurück – allen voran Intendant Meinhard Zanger, der die Betriebsversammlung für mahnende Worte nutzte.
Gut gelaunt kehrten die Mitarbeiter des Wolfgang-Borchert-Theaters aus den Ferien zurück – allen voran Intendant Meinhard Zanger, der die Betriebsversammlung für mahnende Worte nutzte. Foto: Tanja Weidner

Sorge bereitet Zanger das politische Klima in Deutschland. Die zunehmende Polarisierung innerhalb der Gesellschaft, die Zunahme des Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus müsse „wenn nicht schon verhindert, so doch gestoppt“ werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Landtagswahlen in den östlichen Bundesländern haben für ihn „Signalwirkung, wohin die Reise gehen kann“. Um die Kunst werde es nicht gut bestellt sein, wenn man sich das Programm einer Partei anschaue, „die in Berlin Veranstaltungen gezielt stört, im weiteren Osten Deutschlands auf Wiederbelebung nationaler Kultur hofft und im Südwesten Umfragen an Theatern über den Anteil ausländischer Mitarbeiter durchführt“. So haben sich Ensemble und Mitarbeiter einstimmig der „NRW-Erklärung der Vielen“ angeschlossen. Die Kampagne macht auf die Bedrohung der Kunstfreiheit aufmerksam. Allein in NRW haben bisher 262 Einzelpersonen, Institutionen, Ensembles die Erklärung „Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt“ unterschrieben.

Eine Hiobsbotschaft aus dem Kulturministerium, die das Theater in den Ferien erreichte, hatte der Intendant Ensemble und Mitarbeitern zu verkünden. Mittlerweile im vierten Jahr kämpft das WBT um eine Erhöhung des Betriebskostenzuschusses durch das Land NRW, um die seit dem Umzug in den Flechtheimspeicher gestiegenen Anforderungen an Personal-, Sicherheits- und Sachkosten zu decken. Die Hoffnung wuchs, als die neue Landesregierung erklärte, den Kulturetat des Landes binnen fünf Jahren zu verdoppeln. Das WBT bekommt vom Kuchen nichts ab: Zum wiederholten Male wurde der Antrag auf Erhöhung seitens des Theaterreferats im Ministerium abgelehnt – ohne Begründung.

1999 hatte der Zuschuss noch 250 500 Euro betragen, dann wurde er in der Steinbrück/Vesper-Ära sukzessive auf 162 500 Euro (2005) abgesenkt und bis 2010 auf 202 000 Euro „korrigiert“, heute beträgt er 214 200 Euro – eine Anhebung in den letzten zehn Jahren um 6,03 Prozent. „Viele andere Theater in Münster erhielten ordentliche Erhöhungen. Sie alle machen gute Arbeit. Warum werden wir nicht erhöht? Machen wir keine gute Arbeit? Ich empfinde das als ungerecht.“ Intendant Zanger will weiter das Gespräch suchen. Für den 13. September haben sich Staatssekretär Klaus Kaiser aus dem Kulturministerium und Dr. Stefan Nacke (Landtagsabgeordneter der CDU und Stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses im Landtag) zu einem Informationsaustausch im Borchert-Theater angekündigt.

Jenseits der finanziellen Unerfreulichkeiten weist das Theater auf die dynamische Spielzeiteröffnung hin. Gleich drei Stücke werden parallel probiert. In der Premiere zur Spielzeit-Eröffnung „Der König lacht“ (14. September) steht Zanger in der Titelrolle auf der Bühne, bei der zweiten Premiere „How to Date a Feminist“ (26. September) führt er Regie, und in der dritten Premiere „Alles was sie wollen“ (16. Oktober) stellt sich Neuzugang Markus Hennes dem Publikum vor.

Der Intendant begrüßte vier feste Neuzugänge: Neben Nina Brinkoch (Verwaltung), Frederik Iven (Dramaturgie/Presse), Annika Bade (Regieassistenz) wurde das feste Schauspielensemble um eine Position erweitert. Der 42-jährige Markus Hennes war zuletzt an der Badischen Landesbühne Bruchsal engagiert.

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