US-Organist Nathan Laube in St. Lamberti
Kluger Choreograf der Klänge

Münster -

Heftige Akkordschläge im Fortissimo lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Gottlosen sind besiegt, deren Unrecht hat der Richter der Welt vergolten. Bis dahin wird in Psalm 94 viel geklagt und gefleht – woraus Julius Reubke ein biblisches Drama voller Spannungen gemacht hat. Der halbstündige Orgel-Psalm des früh verstorbenen Komponisten bildet fraglos einen absoluten Solitär innerhalb der deutschen Orgeltradition des 19. Jahrhunderts. Und wenn er dann auch noch so packend, ja ergreifend ausgedeutet wird wie am Sonntag in St. Lamberti, muss man am Ende erst einmal kräftig durchatmen.

Montag, 02.09.2019, 18:14 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 11:14 Uhr
Nathan Laube aus den Vereinigten Staaten
Nathan Laube aus den Vereinigten Staaten Foto: Christoph Schulte im Walde

Nathan Laube eilt der Ruf voraus, einer der besten Organisten seiner Generation in den Vereinigten Staaten zu sein – was er hier vor Ort nicht nur mit Julius Reubke eindrucksvoll bestätigte. Sein Münster-Debüt war von Anfang bis Ende ein Ereignis.

Als kluger Choreograf der Klänge hielt er eine zwischen Hell und Dunkel schillernde Totenfeier ab: Franz Liszts „Funérailles“ in einer eigenen Orgelbearbeitung, die mit geradezu sinfonischer Opulenz und Wucht auftrumpfte; scharfe Kon­traste auch in den beiden „Fantasien“ des Franzosen Jehan Alain, der mit seiner Tonsprache in den 1930-er Jahren höchst eigene Wege beschritt.

Laube präsentierte einen sehr unmittelbaren, emotionalen Zugang zu dieser Musik jenseits der französisch-romantischen Schule. Von bizarrer Herbheit geprägt Alains 1. Fantasie, von lyrischem Gesang durchflossen die zweite.

Dabei immer bestechend die ausnehmend noble Anschlagskultur, mit der Nathan Laube fein artikulierend agierte und das Stück quasi „atmen“ ließ. Was eigentlich für sämtliche Partituren seines Programms galt und schon gleich zu Beginn in Johann Sebastian Bachs Passacaglia deutlich spürbar wurde. Ein kühner Wurf des jungen Bach, heute wie vor dreihundert Jahren. Und offen für individuelle klangliche Umsetzung jedes Interpreten. Kein Moment in Laubes Lesart, der nicht spannend und mit interessanten Farben arrangiert gewesen ist.

Resümee nach diesem brillanten Auftritt des jungen Amerikaners: Schwer beeindruckend!

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